Handlungsfelder

Amcha beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themenfeldern.

Erfahren Sie mehr über unsere Themen

Unsere Arbeit gliedert sich in verschiedene Themenfelder:

  • Traumata und Folgen der Verfolgung
  • Förderung seelischer Gesundheit
  • Bildung und Vermittlung

Traumata und Folgen der Verfolgung

TRAUMATA - von Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen

Soziales Trauma durch kollektive Gewalt und Verfolgung

Der Holocaust zählt zu den extremsten Beispielen kollektiver Gewalt, die Gesellschaften über Generationen hinweg prägen und auf den Einzelnen massiv einwirken. Die erlittene Verfolgung führt bei Überlebenden zu tiefen seelischen Verletzungen, die auch an die eigenen Nachkommen weitergegeben werden – ein soziales Trauma ist die Folge.

Retraumatisierungen - Traumata vergehen nicht, sie wirken fort

Auch der Umgang der Gesellschaft mit der Vergangenheit hat einen Einfluss darauf, inwiefern die erlittenen Traumata die Überlebenden prägen und belasten. Dabei können auch scheinbar alltägliche Situationen zum erneuten mentalen Durchleben grausamer Erfahrungen aus dem Holocaust führen. Alte Ängste werden gegenwärtig, frühere Traumata brechen wieder auf.
Leben mit dem Überleben -  Versuche, mit dem Trauma zu leben

Die ersten Jahrzehnte nach der Befreiung waren für viele Überlebende eine Zeit, in der sie ihr Leben organisieren mussten:

  • Wohin gehen, wenn die Heimat genommen oder die Familie ermordet wurde?
  • Wie leben, wenn die körperlichen und seelischen Kräfte kaum reichen?

Eine Familie gründen, das Alltagsleben regeln und erlittene Grausamkeiten verdrängen, prägten diese Zeit.

Traumata brachen darum oft nach vielen Jahren umso heftiger aus und konnten zu enormen Belastungen für die Betroffenen und ihr Umfeld werden.

Gebrochene Identitäten - Zwischen Aufbruch und Verzweiflung
Wie gebrochen die Identitäten der Überlebenden sind, zeigt der Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Viele schwiegen viele Jahre lang über ihre Erlebnisse, manche bis zu ihrem Tode. Wieder andere konfrontierten ihre Umgebung schonungslos mit dem erlittenen Grauen. Eine besondere Bedeutung hatten die eigenen Kinder, die ein Beweis für das eigene Überleben waren und einen wichtigen Beitrag für die Neudefinition der eigenen Identität leisteten.
Traumata im Alter - Das Trauma bleibt, ein Leben lang
Überlebenden leiden oftmals an einer Kombination aus posttraumatischen Symptomen und altersbedingter Depression und Isolation. Sie sind überwältigt von Schuldgefühlen, Sorgen, Albträumen und Ängsten. Auch ein Mangel an ökonomischer Sicherheit, der Verlust alter Freunde oder des Partners, verstärken die Rückkehr, oft lange verdrängter traumatischer Erfahrungen.
Innerfamiläre Herausforderungen
Der Holocaust hat die Überlebenden auch genetisch verändert. Diese genetischen Veränderungen werden vererbt, weswegen Kinder von Überlebenden anfälliger für Stresssyndrome sind. Sie versuchen, eine Leere zu füllen, welche die ermordeten Verwandten hinterlassen haben. In Verbindung mit den benannten und verdrängten Traumata der Eltern, kann daraus eine für alle belastende und von Schuldgefühlen geprägte Familienatmosphäre entstehen.

Förderung seelischer Gesundheit

Seit 1988 unterstützt AMCHA Deutschland die humanitäre Hilfe von AMCHA Israel finanziell.  Mehr als 18.000 Menschen hilft AMCHA jedes Jahr in Israel, vor allem Überlebende der Shoah und ihre Familien. 

So arbeitet AMCHA Israel

Der Umgang der Gesellschaft mit der Vergangenheit der Überlebenden und ihrer Nachkommen ist zentral für die Möglichkeiten, ein gutes Leben mit den oft schwer traumatisierenden Erfahrungen bis ins hohe Alter zu führen.

Dies gilt umso mehr, als dass menschenverursachte Gewalt wie zur Zeit der Verfolgung während der Shoah, kollektive Ausmaße annahm und über mehrere Jahre hinweg sich auf unterschiedliche Weisen entlud.

Diese Gewalterfahrung anzuerkennen, die Opfer anzuerkennen und Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalterfahrungen zu beenden, gehört damit neben den Möglichkeiten der sozialen und psychotherapeutischen Hilfe zu den Merkmalen psychosozialer Ansätze.

Zielgruppen

Zwar liest man häufig von „den letzten Überlebenden des Holocaust“, doch alleine in Israel leben heute noch etwa 193.000 Überlebende. Gleichzeitig nahm die Zahl der Hilfesuchenden in den letzten Jahren nicht wie lange Zeit prognostiziert ab, im Gegenteil: Sie steigt kontinuierlich an.

Die Belastung durch Traumata nimmt zu, wenn Beruf, Partner, Kinder und soziales Umfeld nicht mehr das Leben bestimmen und die Beschäftigung mit sich selbst und damit mit der eigenen Vergangenheit einen immer größeren Raum einnimmt. Die Nachfrage nach spezialisierten Hilfsangeboten steigt seit Jahren an.
Psychotherapien

In 15 Zentren bietet AMCHA professionelle psychotherapeutische Hilfe in Einzel- und Gruppentherapien an. 
Um besser auf die besonderen Bedürfnisse der Überlebenden eingehen zu können, hat AMCHA einen integrativen Ansatz entwickelt: Soziale, psychologische und altersgerechte Therapieformen werden hierbei mit einer Vielzahl kreativer und kunsttherapeutischer Herangehensweisen kombiniert und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Klienten abgestimmt.

Sozialclubs
Unsere Sozialclubs bieten den Klienten einen besonderen Ort der Sicherheit und Aufmerksamkeit. Sowohl professionelle Therapeuten als auch Kunst-, Bewegungs- und Entspannungslehrer bieten ein breites Spektrum an Aktivitäten an.
Vor allem aber haben die Überlebenden hier die Möglichkeit, soziale Kontakte zu Menschen mit ähnlichen Lebensgeschichten zu knüpfen. Die warme, familiäre Atmosphäre macht AMCHA für viele zu einem zweiten Zuhause.
Hausbesuche
Die Mitarbeitenden von AMCHA unterstützen die Klienten dabei, solange wie möglich selbstständig ihren Alltag zu gestalten. Die häusliche Betreuung, die auch in Altenheimen, Krankenhäusern, Pflegestationen und Hospizen angeboten wird, ergänzt die Dienste kommunaler Organisationen.
Psychotherapeutische Sitzungen können so auch zu Hause durchgeführt werden. Zudem besuchen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer regelmäßig einsame und immobile Menschen.

Bildung und Vermittlung

Es gibt immer weniger Holocaust-Überlebende und es wird immer wichtiger, dafür zu sorgen, dass künftige Generationen Zugang zu Informationen über dieses dunkle Kapitel der Geschichte haben.

Das Buch

„Leben nach dem Überleben“ ist das Buch zum Dokumentationsprojekt. Das dreisprachige Buch (Deutsch, Hebräisch, Englisch) vereint Bilder und Zitate, aufgenommen und gesammelt von Helena Schätzle in enger Zusammenarbeit mit Lukas Welz und AMCHA in Israel und Deutschland.
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Die Ausstellung

Basierend auf dem Dokumentationsprojekt „Leben nach dem Überleben“, das AMCHA Deutschland zusammen mit der Fotografin Helena Schätzle entwickelt hat, wurde eine dreisprachige Wanderausstellung (Deutsch, Englisch, Hebräisch) konzipiert, die am 28. Januar 2016 im Auswärtigen Amt in Berlin eröffnet wurde.
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Begegnungen mit Zeitzeugen der Shoah

Viele Überlebende der Shoah wollen von dem Schrecken, den sie erlebten, berichten. Ihre Zeugnisse sind wichtig um zu verstehen, wie es zu diesen Gewaltverbrechen kommen konnte. Sie zeugen aber auch von den Herausforderungen und Hoffnungen eines Lebens nach dem Überleben.
Mehr zum Bildungsangebot
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