Berlin / Tel Aviv, 27. Januar 2026 – Achtzig Jahre nach ihrer Befreiung benötigen tausende Überlebende der Shoah weiterhin intensive psychosoziale Unterstützung. Die aktuellen Zahlen von AMCHA Israel zeigen: Die Shoah ist keine abgeschlossene Vergangenheit – ihre Folgen prägen die Gegenwart. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich der Unterstützungsbedarf nochmals deutlich verschärft.

AMCHA Israel betreut derzeit rund 9.500 Klient*innen, darunter etwa 3.500 HolocaustÜberlebende der ersten Generation. Für sie leistet die Organisation jährlich rund 100.000 Therapiestunden, davon etwa 40.000 im Rahmen aufsuchender Therapie bei hochbetagten Überlebenden zu Hause. Zusätzlich begleitet AMCHA rund 650 Angehörige der zweiten und dritten Generation und bietet sozial-therapeutische Gruppenangebote für 741 Überlebende des Holocaust an.
Die Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 haben die psychosoziale Lage vieler Überlebender massiv verschärft. Krieg, Terror und anhaltende Bedrohung führen bei zahlreichen Betroffenen zu einer Reaktivierung früherer Traumata. Gleichzeitig begleitet AMCHA Israel in großem Umfang weitere Betroffene der Gewalt: Überlebende der Angriffe im Süden Israels und bei dem Nova-Musikfestival, Familien von Geiseln und zurückgekehrte Geiseln, trauernde Angehörige, Evakuierte sowie Menschen mit kampf- und kriegsbedingten Traumafolgestörungen.
„Die Zahlen machen unmissverständlich klar: Erinnerung endet nicht mit dem Gedenken“, sagt Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland. „Achtzig Jahre nach der Befreiung brauchen tausende Überlebende weiterhin intensive psychosoziale Unterstützung. Der Krieg seit dem 7. Oktober hat bestehende Verletzungen vertieft und neue geschaffen. Verantwortung heißt heute, diese Menschen nicht allein zu lassen.“
AMCHA Deutschland unterstützt seit über drei Jahrzehnten die psychosoziale Arbeit mit Holocaust-Überlebenden und ihren Familien. Die Organisation steht für eine Erinnerungskultur, die Geschichte nicht nur bewahrt, sondern ihre fortwirkenden Folgen ernst nimmt. Gerade am 27. Januar wird deutlich: Gedenken ohne konkrete Verantwortung greift zu kurz. Die psychosoziale Versorgung von Überlebenden ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil dessen, was es heißt, aus der Geschichte zu lernen.
„Erinnerungskultur zeigt sich nicht nur in Worten und Ritualen, sondern darin, ob wir den Menschen gerecht werden, die bis heute mit den Folgen von Verfolgung und Überleben leben“, so Welz weiter. „Die Arbeit von AMCHA macht sichtbar, dass Verantwortung eine dauerhafte Aufgabe ist – besonders in Zeiten erneuter Gewalt.“
Kurzfakten AMCHA Israel
