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Vortrag: Gesellschaftliche Folgen transgenerationaler Übertragungsprozesse: eine sozialpsychologische Perspektive

September 20 @ 18:00 - 20:00

Kostenlos

Seit etwa fünf Jahrzehnten existieren umfassende psychotherapeutische und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über die Auswirkungen von Traumatisierungen oder verleugneten Schuldverstrickungen auf die Nachkommen der Betroffenen. Kinder und Enkel von Verfolgten und Überlebenden identifizieren sich unbewusst mit den erahnten Leiden ihrer (Groß-) Eltern und versuchen, diese in Träumen und Inszenierungen zu verarbeiten – oft mit dem unbewussten Wunsch, diese ungeschehen zu machen oder auf sich zu lenken, um ihre Vorfahren zu „heilen“. Täter*innen-Nachkommen hingegen empfinden häufig Schuldgefühle und tiefe Scham und versuchen entweder, diese abzuwehren oder sie sind intensiv mit Versöhnungs- und Wiedergutmachungswünschen befasst bis zu einer innigen Identifikation mit den Opfern und gleichzeitiger Distanzierung von den eigenen Vorfahren. In Gesellschaften mit Kriegs- und Bürgerkriegserfahrungen erfassen diese Phänomene eine große Anzahl von Nachkommen und prägen die Entwicklung von mehreren Generationen bzw. der Gesellschaften insgesamt.

Die Referentin Prof. Dr. Angela Moré ist Professorin für Sozialpsychologie an der Leibniz Universität Hannover sowie Mitbegründerin des gruppenanalytischen Instituts GIGOS. Sie forscht u.a. zu transgenerationalen Übertragungsprozessen, Genderforschung, früher Sozialisations- und Entwicklungstheorie sowie Gruppenanalyse.

Anmeldung:

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Datum:
September 20
Zeit:
18:00 - 20:00
Eintritt:
Kostenlos
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