Gegenerinnerung/en – Jüdische Perspektiven auf die deutsche Einheit und die Transformation 1989/90

Projekt von AMCHA Deutschland | 2020
Wie wurde die deutsche Einheit von Jüdinnen und Juden erlebt? Welche Erinnerungen und Erfahrungen verbinden sich mit den Umbrüchen von 1989/90 – und welche Perspektiven fehlen in den bekannten Erzählungen über Mauerfall, Friedliche Revolution und Wiedervereinigung?
Mit dem Projekt „Gegenerinnerung/en“ hat sich AMCHA Deutschland diesen Fragen aus einer jüdischen und transgenerationalen Perspektive genähert. In Gesprächen und persönlichen Erinnerungen kommen Menschen zu Wort, deren Erfahrungen die gängigen Erzählungen über die deutsche Einheit ergänzen, erweitern und auch infrage stellen.
Für viele Jüdinnen und Juden war die Zeit des Umbruchs von ganz eigenen Erfahrungen geprägt. Die Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung und die Erfahrungen der nachfolgenden Generationen beeinflussten den Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten für jüdisches Leben: Neue Freiräume eröffneten sich, jüdische Identität konnte neu gedacht und gelebt werden, und die Aufnahme sowjetischer Jüdinnen und Juden trug entscheidend zum Fortbestehen und zur Entwicklung jüdischer Gemeinden in Deutschland bei.
Zu den weniger bekannten Erinnerungen dieser Zeit gehören jedoch auch antisemitische und rassistische Gewalttaten, etwa brennende Flüchtlingsunterkünfte und zerstörte jüdische Friedhöfe.
„Gegenerinnerung/en“ möchte diese unterschiedlichen Erfahrungen sichtbar machen und damit den Blick auf die deutsche Einheit erweitern. Dabei geht es nicht darum, eine neue, einheitliche Gegenerzählung zu schaffen. Vielmehr zeigen die verschiedenen persönlichen Perspektiven, wie vielfältig Erinnerung ist und wie wichtig es ist, historische Erzählungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.
Die Videos des Projekts
In der folgenden Playlist finden Sie die Gespräche und Beiträge des Projekts „Gegenerinnerung/en“:
Das Projekt wurde von AMCHA Deutschland e. V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum realisiert und aus Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
Projektleitung: Alisa Gadas, AMCHA Deutschland e. V.
Produktion: creativeweee
Kamera: Florian Krauss
Schnitt: Sascha Hosters
Animation: Tristan Biere
Logodesign/Grafik: Hartmut Friedrich
Projektjahr: 2020