Wir trauern um Judith Neumark

1924 – 2019

Baruch Dayan HeEmet

Ich habe in meinem Kibbuz auf den
Wassermelonenfeldern gearbeitet.
Die Felder waren riesig und ich habe mich
zwischen die Reihen gelegt.
Über mir war ein Luftzug
und plötzlich habe ich den Himmel wieder gesehen.
Die Farben, das Blaue vom Himmel und der Geruch der Orangen.
Es war alles wie im Paradies, wie in einem Traum.
Und diese unglaubliche Luft vom Meer.
Die Natur, sie hat mich befreit.

Geboren 1924 in Budapest, wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf und schloss sich 1941 der zionistischen Jugendbewegung an, um vor der drohenden Verfolgung zu fliehen. 1944 stieg sie zusammen mit etwa 200 anderen jüdischen Kindern in einen Zug mit gefälschten Papieren, der sie in Sicherheit bringen sollte. Nur neun von ihnen, darunter Judith, kamen jedoch an der rumänischen Grenze an. Die anderen wurden von der Gestapo und dem rumänischen Geheimdienst verhaftet.

Beim Grenzübertritt wurden auch Judith und ihre Gruppe verhaftet und in Timisoara in Rumänien zu fünf Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt, wenige Monate später aber durch die Rote Armee befreit. Über die Karpaten, Bukarest und mit einem kleinen Fischerboot über die Ägäis durch Istanbul, Syrien und den Libanon erreichte Sie Erez Israel. Sie arbeitete als Schneiderin in der Region von Haifa, später Ramat Gan. Auf der Suche nach psychologischer Hilfe fand sie zu AMCHA, wo sie nach 64 Jahren erneut begann, Klavier zu spielen.

Nun ist sie am Freitag, 2. August 2019 gestorben. Möge ihr Andenken ein Segen sein.