DIE WELT: „Kritik am Umgang mit Kindern von Holocaust-Opfern“

Artikel in DIE WELT, erschienen am 3. März 2015

Eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat ergeben, dass Nachkommen der Überlebenden keine psychosoziale Hilfe in Anspruch nehmen könnten. „Das Verhalten der Bundesregierung ist kurzsichtig“, sagt Holger Michel, Sprecher des Israelischen Zentrums für psychosoziale Hilfe für Überlebende des Holocaust (AMCHA). „Es wird ignoriert, dass die Kinder von Überlebenden sehr wohl auch in eigener Person betroffen sind.

Wenn die Kanzlerin noch vor wenigen Wochen von einer immerwährenden Verantwortung spricht, die Bundesregierung aber gleichzeitig offenbar der Meinung ist, die zweite Generation gehe sie nichts an, dann handelt es sich um eine hochproblematische und verantwortungslose „Ja, aber“-Politik. Wir appellieren an die Bundesregierung, diese Politik zu überdenken.“

Wie AMCHA hält die Opposition diese Definition für nicht ausreichend. „Wissenschaftlich gibt es keinen Zweifel, dass die Kinder der Überlebenden der Schoah von vererbten Traumata betroffen sein können“, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck. „Dieser Tatsache sollte sich die Bundesregierung nicht verschließen.“