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Gedenken im Dortmunder Rathaus

Am 27. Januar wurde im Bürgersaal des Dortmunder Rathauses der Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren gedacht. 250 Gäste waren zu der Veranstaltung gekommen. Der Ehrenvorsitzende von AMCHA Deutschland, Dr. Peter Fischer, war eingeladen, die Arbeit von AMCHA vorzustellen.

Ganz im Focus der zentralen Dortmunder Gedenkveranstaltung stand neben der Erinnerungsarbeit die Situation der Holocaust-Überlebenden heute. In dem festlichen Rahmen stellten neben AMCHA Deutschland der Verein Heimatsucher sowie die Dortmunder Weingartenschule am See ihre vielfältigen Aktivitäten vor.

Peter Fischer wies in seiner Rede auf die persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen hin, mit denen diejenigen konfrontiert waren, die wider Erwarten die Konzentrationslager und die Schrecken der jahrelangen Verfolgung überlebt hatten. Sie hätten neben physischen Folgeschäden aus Folter, Hunger, Zwangsarbeit auch extreme psychische Belastungen davongetragen. Nicht nur, dass sie oft fast alle Angehörigen verloren hätten. Dazu seien Schuldgefühle gekommen, selbst überlebt zu haben, womöglich auf Kosten anderer. Viele Überlebende hätten versucht zu verdrängen, sich in die Bewältigung der Gegenwart zu stürzen. Über ihre Vergangenheit jedoch hätten sie selbst gegenüber ihren neugegründeten Familien geschwiegen. Die schrecklichen Erfahrungen hätten das menschliche Urvertrauen zerstört.

Auch in den Aufnahmegesellschaften habe sich lange niemand für sie interessiert. In den Ländern im ehemals deutschen Herrschaftsbereich habe es möglicherweise an einem schlechten Gewissen gelegen wegen unterlassener Hilfe, Kollaboration und Mittäterschaft, von einem fortexistierenden Antisemitismus ganz zu schweigen. Fischer erinnerte hier beispielhaft an die Pogrome im frühen Nachkriegspolen und die Vertreibung der letzten polnischen Juden 1968. Aber auch im frühen Israel sei zwar an die zionistischen Helden der Staatsgründung und Verteidigungskriege erinnert worden nicht jedoch an die „passiven“ Opfer der Shoah. Erst mit dem Eichmann-Prozess Anfang der 1960er Jahre habe in Israel auch ein Prozess des Umdenkens und Neubesinnens eingesetzt. Es habe viele Jahre gedauert bis die Überlebenden ein gesellschaftliches Klima vorgefunden hätten, ihr Schweigen zu brechen und Vertrauen wieder aufzubauen.

Dr. Peter Fischer. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Dr. Peter Fischer. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

„AMCHA in Israel,“ so Peter Fischer, „mit seinem Potential der Ermutigung, das Schweigen zu überwinden und psychosoziale Hilfe an zu bieten, leistet das – wenn auch spät, seit 1987 – im direkten Zusammenwirken von Leidensgefährten untereinander und mit professionell erfahrenen Mitarbeitern. Kommunikation vermitteln, der Einsamkeit und Blockaden zu entgegen zu wirken – dafür wird landesweit in 14 Zentren gearbeitet.“

Vor dem Publikum im Dortmunder Rathaussaal, unter Ihnen auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau, regte Dr. Fischer an, dass die Stadt Dortmund förderndes Mitglied von AMCHA werden und jährlich eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Holocaust-Überlebenden durchführen könnte. Denn für die psychosoziale Hilfe für die Überlebenden benötige AMCHA die Unterstützung durch Spenden.

250 Gäste waren in den Bürgersaal des Dortmunder Rathauses gekommen. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

250 Gäste waren in den Bürgersaal des Dortmunder Rathauses gekommen. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Die Veranstaltung wurde gemeinsam verwirklicht durch die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V., den Jugendring Dortmund, das Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB Dortmund), die Auslandsgesellschaft NRW e.V., die VHS Dortmund, die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, das Schulreferat der Evangelischen Kirche Dortmund und die Evangelischen Jugendkirche.

AMCHA dankt allen Beteiligten und der Stadt Dortmund für die Einladung.

Benfizveranstaltung zugunsten von AMCHA in Eberswalde

Am 23. September 2014 fand in Eberswalde eine Benefizveranstaltung zugunsten von AMCHA statt. Gezeigt wurde der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior. 30 Gäste fanden den Weg in das Museum von Eberswalde, unter ihnen auch der Bürgermeister der Stadt, Friedhelm Boginski.

„Eberswalde ist Mitglied bei AMCHA, weil wir die Erinnerung an die Shoah verknüpft sehen wollen mit einer aktiven Hilfe für die Manschen, die bis heute an den Folgen des Schreckens leiden. Wir tragen auch heute noch humanitäre Verantwortung, der mit der Errichtung von Gedenkorten allein nicht Genüge getan ist“, so Bürgermeister Friedhelm Boginski, der das Benefiz im Museum eröffnet hatte.

In seinem Grußwort hob er die Bedeutung hervor, die für ihn die Mitgliedschaft der Stadt Eberswalde bei AMCHA habe. Auch die Stadtverordneten hätten sich 2010 in bemerkenswerter Einmütigkeit für die Mitgliedschaft im AMCHA e.V.  ausgesprochen. Als Vertreter von AMCHA war Christian Krause nach Eberswalde gekommen, der Leiter der AMCHA-Geschäftsstelle. Er dankte dem Bürgermeister für den herzlichen Empfang und für das ganz besondere Engagement der Stadt für AMCHA und für die Überlebenden des Holocaust.

Nach der Filmvorführung sprach der Kulturamtsleiter von Eberswalde, Dr. Stefan Neubacher, mit der  Regisseurin Christa Spannbauer und mit Christian Krause über den Film und die Situation der Überlebenden.

Die Stadt Eberswalde ist seit 2011 Mitglied von Amcha Deutschland. Zuletzt wurde der Verein mit einer symbolischen Stiftungsaktion im Zusammenhang mit der Errichtung der Gedenkskulptur „Wachsen mit Erinnerung“ unterstützt. Das Schriftband daran erinnert an die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt. Seine Buchstaben und Worte haben die Eberswalderinnen und Eberswalder gespendet. Die Skulptur „Wachsen mit Erinnerung“ steht auf dem  Fundament der 1939 während der Novemberpogrome in Eberswalde zerstörten Synagoge hin. In ihrem Innenraum wachsen Bäume, die im Laufe der Jahre das Kuppeldach der Synagoge andeuten werden.

Hier finden Sie einen Bericht der Märkischen Oderzeitung über den Veranstaltungsabend.

 

 

 

 

„Mut zum Leben“

Die Städte Celle und Eberswalde engagieren sich seit Jahren auf herausragende Weise für AMCHA und die Überlebenden des Holocaust. In den kommenden Monaten wird in beiden Städten im Rahmen von Benefizveranstaltungen zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior zu sehen sein.

Der Film porträtiert vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit. Nie wieder soll ein Mensch erleben müssen, was ihnen widerfahren ist – dafür treten Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg bis ins hohe Alter ein.

Esther Bejarano, Sängerin, 88, Hamburg:
„Wenn ich das schon überlebt habe, dann muss ich doch wieder anfangen zu leben und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Yehuda Bacon, Maler, 83, Jerusalem:
„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“

Éva Pusztai-Fahidi, Autorin, 87, Budapest:
„In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist die Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie teuer das Leben ist.“

Greta Klingsberg, Sängerin, 83, Jerusalem:
„Überlebt zu haben, ist noch keine Auszeichnung. Es kommt doch darauf an, was man daraus macht.“

Sie erfuhren die Unmenschlichkeit am eigenen Leibe und wurden zu Lehrern der Menschlichkeit. Sie haben Auschwitz überlebt und machen Mut zum Leben.

Am 23. Spetember in Eberswalde und am 9. November in Celle wird jeweils die Regisseurin Christa Spannbauer anwesend sein und ihren besonderen Film vorstellen.

Auf beide Veranstaltungen werden wir auch noch einmal im Einzelnen hinweisen.

„A Never Ending Story. Erinnerung und Trauma in der 3. Generation“ – Tagung des ZdJ in Berlin

Zahlreiche Studien weisen nach, dass die traumatischen Erfahrungen der Überlebenden der Shoah deutliche Spuren in der Lebens- und Gefühlswelt nachfolgender Generationen hinterlassen. Nachdem sich Angehörige der Dritten Generation nunmehr verstärkt literarisch und filmisch zu Wort melden und auf sich aufmerksam machen, möchten wir auf der Tagung die Auswirkungen der transgenerativen Erfahrungen vorstellen, analysieren und reflektieren. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen werden anhand der Darstellung unterschiedlicher biographischer Narrative von Angehörigen der Dritten Generation Einblicke in die psychische Verarbeitung der familiären Geschichten eröffnet. Die Tagung selbst wird den Teilnehmenden genügend Raum dafür bieten, die eigenen emotionalen Zugänge zu der Thematik zu erschließen.

AMCHA zum 75. Jahrestag der „Reichspogromnacht“

Das Denkmal „Wachsen-mit-Erinnerung“, das am 9. November 2013 von Bundespräsident Gauck in Eberswalde eingeweiht wird, verbindet Erinnerung an die Vergangenheit und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft durch bürgerschaftliches Engagement für die Arbeit von AMCHA in Israel.

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Am 75. Jahrestag der Reichpogromnacht wird Bundespräsident Joachim Gauck am 9. November 2013 das Denkmal „Wachsen mit Erinnerung“ in Eberswalde an dem Ort einweihen, an dem bis zum 9. November 1938 die Synagoge der Stadt Eberswalde stand.

Von den Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz entworfen, geht das Denkmal auf die Initiative Eberswalder Bürger zurück und wurde von AMCHA Deutschland mitentwickelt, dem deutschen Teil des gleichnamigen Israelischen Zentrums für psychosoziale Hilfe für Holocaustüberlebende.

„Mit dem Denkmal der ’Baumsynagoge’ wurde ein einzigartiger Gedenkort für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bewohner Eberswaldes geschaffen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass das deutsche Staatsoberhaupt dieses Denkmal einweiht und damit den Opfern des Nationalsozialismus seinen Respekt erweist. Aber auch die Entstehung des Denkmals ist selbst eine große Geste, die von den Überlebenden deutlich wahrgenommen wird: Von Bürgern initiiert, in direkter demokratischer Beteiligung entwickelt und mit Spenden für die Überlebenden bedacht – damit weist die Botschaft des Denkmals über das Gedenken und Erinnern hinaus und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart“ so Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V..

Zeichnung_Synagoge_AusschnittDas Denkmal zeichnet sich zum einen durch seine Architektur der „wachsenden Synagoge“ aus, die sich ständig verändern wird und damit auch für das Wachsen von Erinnerung und Gedenken steht. Es zeichnet sich aber zum anderen durch die direkte Beteiligung der Bürger aus, die nicht nur den Anstoß für dieses Denkmal gegeben haben, sondern darüber hinaus die rund 1.000 Buchstaben, die in die Denkmalwand eingelassen wurden, stifteten. Die Erlöse kommen der psychosozialen Hilfe für Holocaust-Überlebende durch AMCHA in Israel zugute.

Beschreibung des Denkmals:

Auf den Grundrissen der früheren Außenmauern der Synagoge wurde eine zweieinhalb Meter hohe-Mauer errichtet, die keine Öffnung hat. Im Inneren wurden Bäume gepflanzt, die im Laufe der Zeit den Baukörper der ehemaligen Synagoge nachzeichnen werden. Der abgeschlossene Innenraum erinnert durch seine Unzugänglichkeit an den unwiederbringlichen Verlust und das Unrecht, welches hier geschehen ist. Mehr unter goo.gl/QY5nDb

Über AMCHA:

AMCHA (Deutschland) unterstützt die gleichnamige Nichtregierungorganisation in Israel, das „Israelische Zentrum für psychosoziale Hilfe für Holocaustüberlebenden und deren Nachfahren“, welches derzeit etwa 16.000 der noch rund 200.000 Holocaust-Überlebenden in Israel bei der Bewältigung schwerer Traumata immateriell unterstützt. Die Nachfrage nach psychologischer Hilfe steigt stetig an, da gerade im Alter die Belastungen durch die erlittenen Traumata stark zunehmen. 2013 verzeichnete AMCHA einen Klientenanstieg von über 10 Prozent bei massiv sinkenden Spendenzahlen. Das Wort Amcha kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „dein Volk“. Die Stadt Eberswalde ist seit Ende 2010 Mitglied von AMCHA.

Jahresversammlung Aktion Sühnezeichen Friedensdienste „Erzähle weiter!“

Vom 24. bis 26. Mai 2013 hat Aktion Sühnezeichen Friedensdienste seine Jahrestagung zum Thema „Erzähle weiter! – Lebendige Geschichte in der Begegnung der Generationen“ in Berlin durchgeführt. Achtzig Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme erinnerten etwa 170 Teilnehmende im generationsübergreifenden Gespräch mit Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen an die Geschichte des 20. Jahrhunderts und diskutierten die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Es ging um die Erinnerung, um die Gegenwart des Erzählens. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, worüber wir nicht reden, warum wir uns an bestimmte Dinge erinnern und andere vergessen.

Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., war an der Organisation der Veranstaltung beteiligt. Der Psychologe Natan Kellermann, Mitglied im Vorstand von AMCHA Israel, hat das Podium „Zukunft braucht Erinnerung – Möglichkeiten und Hindernisse der Erinnerung in Deutschland und Israel im Wandel der Jahrzehnte“, zusammen mit Elke Gryglewski vom Haus der Wannseekonferenz gestaltet.

34. Deutscher Evangelischen Kirchentag in Hamburg

Vom 1. bis 5. Mai 2013 findet der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg statt. AMCHA präsentiert sich dort auf dem Markt der Möglichkeiten bei den Ständen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Halle A3, A20 und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Halle A3, A17.

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Lukas Welz (AMCHA Deutschland) im Gespräch mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Reinhold Robbe, Mitglied im Kuratorium der AMCHA-Stiftung Deutschland und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

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Holger Michel und Lukas Welz, Vorstandsmitglieder von AMCHA Deutschland e.V., im Gespräch mit Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen.