Beiträge

4.-6. September 2018: „Weiterleben, ohne Wenn und Aber“ – Lesungen mit Giselle Cycowicz

28. Februar 2018: Ausstellungseröffnung im Bundessozialgericht in Kassel

26. Mai 2017, 19.00 Uhr, Berlin: „Siehst Du mich? Über das Leben lernen“ – Podium im Rahmen des Evangelischen Kirchentags

29. Januar 2016: Eröffnung der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ im Auswärtigen Amt

Ansprache von Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ von AMCHA Deutschland am 28. Januar 2016 im Auswärtigen Amt in Berlin:
„Es ist der 28. Januar. Es war der erste Tag in Freiheit für die wenigen Überlebenden von Auschwitz und der befreiten Außenlager. Viele weitere dieser Tage folgten, wenn die Rote Armee oder die westlichen Streitkräfte Überlebende befreiten: aus Konzentrationslagern, aus ihren Verstecken, aus Zwangsarbeit und Foltergefängnissen.

„Die SS sagte uns, dass wir frei seien. Wir könnten gehen, wohin wir wollten, und dürften tun, was wir wollten. Aber es gab keinen Ort, wo wir hätten hingehen können,“ resümiert die Überlebende von Auschwitz Giselle Cycowicz. „Nach außen war ich frei, doch innerlich, in meiner Seele, fühlte ich mich wirklich befreit?“ fragt der Überlebende Zwi Steinitz, der das Ghetto Krakau, die KZ Plaszow, Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen überlebte. Beide sind mit der Organisation AMCHA verbunden. 1987 von Überlebenden gegründet, leistet sie Hilfe für Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel.

Das dies eine Gegenwartsaufgabe ist, wie kaum zuvor, zeigt die große Zahl an Menschen, denen AMCHA jährlich hilft: 2015 wurde knapp 20.000 Menschen in Psychotherapien und sozialen Aktivitäten dabei geholfen, die schmerzvollen Folgen der Verfolgung zu mindern und das Leben nach dem Überleben würdig zu gestalten. Das sind mehr als doppelt so viele, wie noch vor 10 Jahren und nochmals 10% mehr als 2014. Die Brisanz dieses humanitären Anliegens ist wenig bekannt, das Verständnis für die Gegenwärtigkeit der Folgen der Verfolgung und der Traumata auch mehr als 70 Jahre später oft gering.

Vor drei Jahren hatte ich mit Helena Schätzle die Idee besprochen, durch eine Bildsprache die Herausforderungen, vor denen Überlebende und ihre Familien bis heute stehen, deutlich zu machen. Ich bin überwältigt von dem großartigen Ergebnis! Und ich bin dankbar, für die Zusammenarbeit. Ich danke Helena für ihre Offenheit und Wärme in der Zusammenarbeit mit den Porträtierten, die erst diese intimen Einblicke ermöglicht haben. Ich danke den Porträtierten, dass sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben!

Vielen weiteren ist zu danken: Dem Auswärtigen Amt und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) für die großzügige finanzielle und logistische Unterstützung, insbesondere Botschafter Dr. Felix Klein, Frau Nikola Gillhoff, Frau Katrin Frühinsfeld, Herrn Jens Buschmann vom Auswärtigen Amt sowie Dr. Michael Jansen und Anja Kräutler von der Stiftung EVZ; den Ausstellungsgestaltern von chezweitz Berlin, allen voran Detlef Weitz, Dr. Sonja Beeck, Julia Volkmar und Johannes Bögle; der Kuss Medienproduktion und Tommy Brix für die Ausstellungsrealisierung und Druck; den Übersetzerinnen und Übersetzern Prof. Dafna Mach, Doron Oberhand und Jenny Piening; den Lektorinnen und Lektoren Charlotte Bensch, Cassandra Ellerbe-Dueck und Adina Stern.

Ich möchte Sie herzlich einladen, die Bilder und Zitate auf sich wirken zu lassen und die Menschen in ihrer Individualität kennen zu lernen. Lernen wir aus ihren Geschichten, auch, wie wir denjenigen begegnen, die heute durch Verfolgung und Leid traumatisiert werden.“

21. November 2015: Videoaufzeichnung der Veranstaltung „Über Leben: Vom Umgang mit Traumatisierten der Shoah“

1. Oktober 2015: Podiumsdiskussion „Über Leben“ in Berlin

Herzliche Einladung zur Podiumsdiskussion anlässlich von 25 Jahren AMCHA Deutschland

„Über Leben – Vom Umgang mit Traumatisierten der Shoah“

am Donnerstag, 1. Oktober 2015, 19.00 Uhr
im Jüdischen Museum Berlin, Großer Saal.

Eintritt: frei
Anmeldung unter: reservierung@jmberlin.de oder telefonisch: 030 –25993 488

Wir wollen mit der Shoah-Überlebenden und Psychotherapeutin Dr. Giselle Cycowicz (Jerusalem), dem Klinischen Direktor von AMCHA, Dr. Martin Auerbach (Jerusalem), Prof. Dr. David Becker (Berlin) sowie Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages und Träger des Leo-Baeck-Preises 2015, ins Gespräch kommen.

70 Jahre sind vergangen, seit die Überlebenden der Shoah befreit wurden. Ihre Befreiung war eine Rettung vor dem Tod, aber keine Erlösung für das Leben – die Traumatisierungen prägen ihr Leben bis heute. Krieg, Genozid oder Massengewalt sind politische und soziale Ereignisse, die ganze Gesellschaften erschüttern und auf Einzelne einwirken. Der Hilfe für die Überlebende kommt eine zentrale Bedeutung zu. Der Traumadiskurs jedoch reflektiert die besonderen Bedürfnisse und die Herausforderungen in der Arbeit mit Schwertraumatisierten oftmals nicht. Die Podiumsdiskussion stellt die langjährigen Erfahrungen von AMCHA, dem Zentrum für psychosoziale Hilfe für Überlebende der Shoah und ihren Familien, den Erkenntnissen aus der Arbeit mit Extremtraumatisierten weltweit gegenüber.

Moderation: Dr. Daniel F. Sturm (Die Welt)

Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Empfang ein.

„Damit wir klug werden“ – AMCHA auf dem Kirchentag in Stuttgart

Vom 3. bis 7. Juni 2015 fand in Stuttgart der 35. Evangelische Kirchentag statt. AMCHA Deutschland konnte seine Aktivitäten auf dem Markt der Möglichkeiten (Cannstatter Wasen) an dem Stand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Zelthalle 7, Stand A06) präsentieren.

Am Donnerstag, 4. Juni um 19.30 Uhr sprach Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V. mit dem Künstler und Zeitzeugen Yehuda Bacon und Rachel de Boor, Studierende Jüdische Studien in Potsdam und Jerusalem über „Das himmlische Jerusalem: Erinnerungsversuche – Zeitzeugengespräch“ im Zentrum Juden und Christen, Moderation: Aline Seel (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste).

Lukas Welz: „Wenn ich an Jerusalem denke, dann denke ich vor allem an die Kraft des Wortes das Visionen schreibt, Werte schafft und Zerstörung birgt. Jerusalem ist Vision und Realität – je nachdem, woran wir uns erinnern wollen. Auch Menschen wie Yehuda Bacon haben Phasen der Aufarbeitung durchlaufen: vom passiven, ja abgelehnten Überlebenden zum aktiven Zeitzeugen, etwa im Jerusalemer Eichmann-Prozess 1961.“

Yehuda1

Im Zentrum des Gesprächs mit Yehuda Bacon stand seine Suche nach Heimat, geistiger wie geographischer Heimat, die Zeit nach dem Überleben und die Rettung seines Lebens durch die Hilfe besonderer Menschen.

Yehuda2Lukas Welz: „Dieses Bild von Yehuda Bacon zeigt die Realität gewordene Vision: Das Finden einer neuen Heimat in der Kunst, in der Geisteswelt und ganz real für eine Familie. Jerusalem wurde Heimat vieler Überlebender, die sie in Europa verloren haben. Mittel- und elternlos kamen Sie in Israel an. Die Vergangenheit ist stete Gegenwart. So sagte Yehuda einmal, dass er nach der Befreiung 1945 16 Jahre alt war mit der Lebenserfahrung eines über 80-jährigen. Heute ist er 86 und in der Lebenswelt, die ihn als 16-jährigen prägte. Das zeigt einmal mehr: der Generationenbegriff ist zu starr, alles ist im Wandel.“

Vor dem Hintergrund der älter werdenden Zeitzeugen war dieses Gespräch, das per Skype zwischen Stuttgart und Jerusalem stattfand, innovativ und hat gezeigt, dass neue Wege des intergenerationellen Dialogs möglich sind.