„Damit wir klug werden“ – AMCHA auf dem Kirchentag in Stuttgart

Vom 3. bis 7. Juni 2015 fand in Stuttgart der 35. Evangelische Kirchentag statt. AMCHA Deutschland konnte seine Aktivitäten auf dem Markt der Möglichkeiten (Cannstatter Wasen) an dem Stand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Zelthalle 7, Stand A06) präsentieren.

Am Donnerstag, 4. Juni um 19.30 Uhr sprach Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V. mit dem Künstler und Zeitzeugen Yehuda Bacon und Rachel de Boor, Studierende Jüdische Studien in Potsdam und Jerusalem über „Das himmlische Jerusalem: Erinnerungsversuche – Zeitzeugengespräch“ im Zentrum Juden und Christen, Moderation: Aline Seel (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste).

Lukas Welz: „Wenn ich an Jerusalem denke, dann denke ich vor allem an die Kraft des Wortes das Visionen schreibt, Werte schafft und Zerstörung birgt. Jerusalem ist Vision und Realität – je nachdem, woran wir uns erinnern wollen. Auch Menschen wie Yehuda Bacon haben Phasen der Aufarbeitung durchlaufen: vom passiven, ja abgelehnten Überlebenden zum aktiven Zeitzeugen, etwa im Jerusalemer Eichmann-Prozess 1961.“

Yehuda1

Im Zentrum des Gesprächs mit Yehuda Bacon stand seine Suche nach Heimat, geistiger wie geographischer Heimat, die Zeit nach dem Überleben und die Rettung seines Lebens durch die Hilfe besonderer Menschen.

Yehuda2Lukas Welz: „Dieses Bild von Yehuda Bacon zeigt die Realität gewordene Vision: Das Finden einer neuen Heimat in der Kunst, in der Geisteswelt und ganz real für eine Familie. Jerusalem wurde Heimat vieler Überlebender, die sie in Europa verloren haben. Mittel- und elternlos kamen Sie in Israel an. Die Vergangenheit ist stete Gegenwart. So sagte Yehuda einmal, dass er nach der Befreiung 1945 16 Jahre alt war mit der Lebenserfahrung eines über 80-jährigen. Heute ist er 86 und in der Lebenswelt, die ihn als 16-jährigen prägte. Das zeigt einmal mehr: der Generationenbegriff ist zu starr, alles ist im Wandel.“

Vor dem Hintergrund der älter werdenden Zeitzeugen war dieses Gespräch, das per Skype zwischen Stuttgart und Jerusalem stattfand, innovativ und hat gezeigt, dass neue Wege des intergenerationellen Dialogs möglich sind.