18.726 Menschen

wurde 2018 durch AMCHA Israel geholfen

Die Zahl hilfesuchender Überlebender in Israel, die die Angebote von AMCHA in Anspruch nehmen, lag 2018 mit 18.726 Menschen fast doppelt so hoch, wie noch vor zehn Jahren (2008: 10.814). Mit Hilfe von Psychotherapien, sozialen Aktivitäten und Hausbesuchen werden die oft schwer traumatisierten Menschen darin unterstützt, im Alter ein würdevolles Leben zu führen.

„Gerade im Alter werden die traumatisierenden Erinnerungen zur Belastung, wenn das soziale Netz schwächer wird, die Einsamkeit zunimmt, Partner und Freunde sterben. Die Folgen können schwere Depressionen, soziale Isolation und Angstzustände sein,“ erklärt Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., einer Organisation, die diese Hilfe in Israel seit über 30 Jahren unterstützt.

„Die meisten sind heutzutage Kinderüberlebende, Menschen also, die zum Zeitpunkt ihrer Befreiung nicht älter als 16 Jahre alt waren. Sie sind heute zwischen 73 und 89 Jahre alt. Ihr Leben ist geprägt von den traumatischen Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Die gestiegene Lebenserwartung stellt die Hilfe für die Überlebenden vor neue, größere Herausforderungen.“ Die psychologische und soziale Hilfe muss verstärkt zu Hause, in Altersheimen und Hospizen durchgeführt werden. Nur so können auch die Schwachen und Ältesten erreicht und bis an ihr Lebensende begleitet werden.

„Das Gedenken an das Leid der ermordeten Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist mehr denn je unverzichtbar. Aber auch das schwere Schicksal der Menschen, die die Jahre der Verfolgung überlebt haben und heute auf Hilfe angewiesen sind, darf nicht in Vergessenheit geraten“, betont Lukas Welz weiter.

Zahl Hilfesuchender bei AMCHA Israel.

Zu den Hilfesuchenden gehört Elias Feinzilberg. 1917 im polnischen Lodz geboren, überlebte er das dortige Ghetto, mehrere Zwangsarbeitslager, Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald, Dachau und mehrere Todesmärsche. Noch im Mai 1945 versuchte die SS ihn und 5.000 weitere Gefangene in Österreich zu ertränken, sie wurden kurz zuvor befreit. Der heute 101-jährige erinnert sich: „Manchmal kam die SS mit einer Peitsche herein. Die ersten drei, vier Schläge habe ich gespürt, die anderen nicht mehr. Bis aufs Blut. So arbeiteten wir blutüberströmt weiter.“

Er wanderte nach seiner Befreiung nach Guatemala und aus, 1969 emigrierte er mit seiner Frau nach Israel. Seit 2010 ist AMCHA zu seinem „zweiten Zuhause“ geworden, wie er sagt. Seit dem Tod seiner Frau entgeht er so der Einsamkeit. Er sagt: „Ich komme zu Amcha, ich tanze hinein, ich lache, alle haben mich gern. „Elias ist gekommen?” Alle freuen sich.“ Seinen Humor und seine Wärme konnte im vergangenen Jahr auch Bundesaußenminister Heiko Maas bei seinem Antrittsbesuch in Israel spüren, als er das AMCHA-Zentrum in Jerusalem besuchte.