1. Oktober 2015: Podiumsdiskussion „Über Leben“ in Berlin

Herzliche Einladung zur Podiumsdiskussion anlässlich von 25 Jahren AMCHA Deutschland

„Über Leben – Vom Umgang mit Traumatisierten der Shoah“

am Donnerstag, 1. Oktober 2015, 19.00 Uhr
im Jüdischen Museum Berlin, Großer Saal.

Eintritt: frei
Anmeldung unter: reservierung@jmberlin.de oder telefonisch: 030 –25993 488

Wir wollen mit der Shoah-Überlebenden und Psychotherapeutin Dr. Giselle Cycowicz (Jerusalem), dem Klinischen Direktor von AMCHA, Dr. Martin Auerbach (Jerusalem), Prof. Dr. David Becker (Berlin) sowie Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages und Träger des Leo-Baeck-Preises 2015, ins Gespräch kommen.

70 Jahre sind vergangen, seit die Überlebenden der Shoah befreit wurden. Ihre Befreiung war eine Rettung vor dem Tod, aber keine Erlösung für das Leben – die Traumatisierungen prägen ihr Leben bis heute. Krieg, Genozid oder Massengewalt sind politische und soziale Ereignisse, die ganze Gesellschaften erschüttern und auf Einzelne einwirken. Der Hilfe für die Überlebende kommt eine zentrale Bedeutung zu. Der Traumadiskurs jedoch reflektiert die besonderen Bedürfnisse und die Herausforderungen in der Arbeit mit Schwertraumatisierten oftmals nicht. Die Podiumsdiskussion stellt die langjährigen Erfahrungen von AMCHA, dem Zentrum für psychosoziale Hilfe für Überlebende der Shoah und ihren Familien, den Erkenntnissen aus der Arbeit mit Extremtraumatisierten weltweit gegenüber.

Moderation: Dr. Daniel F. Sturm (Die Welt)

Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Empfang ein.

15.-16. Juni 2015: Konferenz „Zweite Generation“ in Berlin

Vom 15. bis 16. Juni 2015 findet in Berlin die internationale Konferenz „Zweite Generation“ des Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte statt. Die Konferenz bringt Betroffenen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Forschung und Praxis, Gedenkstättenmitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, um über innerfamiliäre Herausforderungen und die Übertragung von Traumata auf die nachfolgenden Generationen zu diskutieren. Die Konferenz behandelt dabei drei Themenfelder: Soziale Arbeit, psychische Gesundheit/Traumatisierung und gesellschaftliche Teilhabe/Diskriminierung.

Dr. Natan Kellermann, Vorstand von AMCHA Israel und ehemaliger Klinischer Direktor, wird auf der Konferenz zum Thema „Erklärung der Übertragung von Traumata mithilfe der Epigenetik“ sprechen. Zudem werden wir auf der Tagung über unsere Aktivitäten in Deutschland informieren.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Betreuung und Belastung – ZWST-Konferenz

„Betreuung und Belastung – Herausforderungen bei der psychosozialen Versorgung von Überlebenden der Shoah“

Vom 2. bis 5. November 2014 organisiert die Zentrale Wohlfahrsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) mit Unterstützung der Aktion Mensch und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft eine internationale Fachtagung in Frankfurt am Main. Die Tagung hat die Unterstützung und Professionalisierung der haupt- und ehrenamtlichen Fachkräfte in jüdischen Gemeinden, Seniorenzentren, Treffpunkten für Überlebende und anderen Einrichtungen im In- und Ausland zum Ziel.

Der Fokus in diesem Jahr liegt auf der transgenerationalen Übertragung von Traumata und den Auswirkungen der Shoah auf die jeweilige Familiendynamik. Weiterhin werden die Übertragungsmechanismen in der Versorgung von Überlebenden durch Fachkräfte der nachfolgenden Generationen behandelt.

Bei der Konferenz wird auch Dr. Martin Auerbach, Klinischer Direktor von AMCHA, sprechen. Christian Krause, Leiter der Geschäftsstelle, vertritt AMCHA Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Tief durchatmen. Die Arbeit von AMCHA in gewaltvollen Zeiten

Im Fokus:  Sommer 2014.
 

Rechovot

Rechovot, südlich von Tel Aviv im August: Zirka 60 willensstarken Senioren im Alter von 76 bis 96 trotzen der Gefahr möglicher Raketenangriffe, um an einem Treffen im AMCHA-Zentrum teilzunehmen. Die Hilfsangebote von AMCHA sind für viele der Überlebenden unverzichtbar geworden, besonders in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Tammy Kahanov, Leiterin von AMCHA Rechovot. „Um mit der konstanten Angst während des Krieges umzugehen ist es wichtig, ihnen einen Alltag zu ermöglichen und sie nicht allein zu lassen.“

In einer Selbsterfahrungsübung sollen die Klienten lernen, besser mit der gewaltsamen Situation der vergangenen Wochen umzugehen. „Wir wollten uns weniger auf das sprechen konzentrieren, als darauf, jedem die Möglichkeit zu geben, der Fantasie freien Lauf zu lassen um Stress abzubauen“, erklärt Kahanov. Jedem Teilnehmer des Workshops wurde ein Ballon gegeben. Die Teilnehmenden sollten mit diesem Ballon eine Situation verbinden. Indem sie den Ballon durch tiefe Atemübungen aufbliesen, ihn mit allen Sinnen ertasteten und hin und her warfen, befreiten sie sich emotional und physisch von dem damit verbundenen Gefühl.

„Wegen des Krieges hatte ich keine Kindheit“, erzählt Shmuel der Gruppe. „Im Alter von vier Jahren war ich bereits im Konzentrationslager anstatt in einem Kindergarten. Ich habe nicht gespielt. Aber das Kind in mir habe ich nicht verloren. Ich liebe es zu spielen und meine Phantasie zu beflügeln, die mich in eine Kindheit versetzt, die ich nie hatte. Ich bin dankbar dafür, zu AMCHA kommen zu können. Besonders in dieser Zeit ist es so wichtig für mich hier zu sein, mit den anderen, einfach loslassen zu können und ich selbst zu sein.“

Tel Aviv

Auch Tel Aviv, die Metropole am Mittelmeer, wurde in den letzten Wochen aus dem Gazastreifen angegriffen. „Die Menschen sind müde, ängstlich und gestresst, aber sie sind auch entschlossen, versuchen, ihren Alltag so gut es geht zu gestalten“, erklärt Tali Rasner, Psychologin und Leiterin des AMCHA-Zentrums dort.

Kreativität und körperliche Aktivität haben dabei einen großen therapeutischen Nutzen. Jeden Tag versucht der AMCHA-Sozialclub mit Gruppengesprächen, Keramik-Kursen oder Yoga-Unterricht den Klienten Aktivitäten anzubieten, die ihnen einen Raum der Geborgenheit, für Zuversicht und gegen Einsamkeit, schaffen. „AMCHA ist ihr zweites Zuhause und viele sagen, dass sie nicht noch einmal ihre Heimat verlassen wollen oder sich verstecken möchten, wie sie es im Holocaust erleben mussten,“ so Rasner weiter.
Viele Überlebende aus dem Süden Israel hingegen mussten ihr Zuhause verlassen und sind zu Verwandten in Tel Aviv gezogen. AMCHA hat für sie die Türen geöffnet. „Wenn es Raketenalarm gibt, versammeln wir uns alle im Treppenhaus“, erzählt Rasner. „Für manche von ihnen werden schreckliche Erinnerungen an die Vergangenheit wach.“

Die 90-jährige Halina Ashkenazy Engelhard begann zu weinen, fühlte sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Bilder von israelischen Kindern, die in Bunker kauern mussten, und von palästinensischen Kindern, die starben, konnte sie nicht verarbeiten. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Blut. Kinder müssen in ihren eigenen Betten ohne Angst schlafen können.“

Jede Woche besuchen 180 Freiwillige Klienten von AMCHA in Tel Aviv und Umgebung. Über 2.000 Menschen erhalten dadurch Hilfe, gerade in schwierigen Zeiten. „Das wichtigste für sie ist, dass sie das Gefühl haben, dass es jemanden gibt, der sich um sie kümmert und heute auf sie achtet,“ sagt Yuval Dotan, Sozialarbeiter bei AMCHA. „Die stärkste Erfahrung vieler Überlebender ist, dass sie sich allein gelassen fühlten, dass ihnen niemand geholfen hat. AMCHA ist da, diese Lücke zu füllen.“

Hier können Sie zwei Artikel über die Situation bei AMCHA im Sommer 2014 lesen:

Die Holocaust-Überlebenden mit Fahrradhelmen

Sirenen und Raketen rütteln emotionale Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden wach

Tagung „Gebrochene Identitäten“ in Frankfurt/Main

Dr. Martin Auerbach, Klinischer Direktor von AMCHA Israel, referierte über „Trauma, Dissoziation und gebrochene Identitäten“ auf der Tagung „Gebrochene Identitäten“, die auf Einladung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST), der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und der Aktion Mensch vom 4. bis 7. November 2012 in Frankfurt/Main stattfand.

Leitfragen der Tagung waren unter anderem, wie ein Mensch das Überleben nach dem Holocaust übersteht und wie Kinder und Erwachsene auf extreme Erlebnisse reagieren. Dr. Martin Auerbach findet keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen: Extreme traumatische Erlebnisse können zu einem „überdurchschnittlichem Erinnerungsvermögen“, aber auch „Gedächtnislücken“ führen. Eine Form der Therapie ist die Lebensrückblick-Therapie, die AMCHA in Israel eingeführt hat.

 

Hier können Sie einen Artikel in der Jüdischen Allgemeinen lesen.

Hier finden Sie einen Bericht der Tagung von der ZWST.