„Damit wir klug werden“ – AMCHA auf dem Kirchentag in Stuttgart

Vom 3. bis 7. Juni 2015 fand in Stuttgart der 35. Evangelische Kirchentag statt. AMCHA Deutschland konnte seine Aktivitäten auf dem Markt der Möglichkeiten (Cannstatter Wasen) an dem Stand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Zelthalle 7, Stand A06) präsentieren.

Am Donnerstag, 4. Juni um 19.30 Uhr sprach Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V. mit dem Künstler und Zeitzeugen Yehuda Bacon und Rachel de Boor, Studierende Jüdische Studien in Potsdam und Jerusalem über „Das himmlische Jerusalem: Erinnerungsversuche – Zeitzeugengespräch“ im Zentrum Juden und Christen, Moderation: Aline Seel (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste).

Lukas Welz: „Wenn ich an Jerusalem denke, dann denke ich vor allem an die Kraft des Wortes das Visionen schreibt, Werte schafft und Zerstörung birgt. Jerusalem ist Vision und Realität – je nachdem, woran wir uns erinnern wollen. Auch Menschen wie Yehuda Bacon haben Phasen der Aufarbeitung durchlaufen: vom passiven, ja abgelehnten Überlebenden zum aktiven Zeitzeugen, etwa im Jerusalemer Eichmann-Prozess 1961.“

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Im Zentrum des Gesprächs mit Yehuda Bacon stand seine Suche nach Heimat, geistiger wie geographischer Heimat, die Zeit nach dem Überleben und die Rettung seines Lebens durch die Hilfe besonderer Menschen.

Yehuda2Lukas Welz: „Dieses Bild von Yehuda Bacon zeigt die Realität gewordene Vision: Das Finden einer neuen Heimat in der Kunst, in der Geisteswelt und ganz real für eine Familie. Jerusalem wurde Heimat vieler Überlebender, die sie in Europa verloren haben. Mittel- und elternlos kamen Sie in Israel an. Die Vergangenheit ist stete Gegenwart. So sagte Yehuda einmal, dass er nach der Befreiung 1945 16 Jahre alt war mit der Lebenserfahrung eines über 80-jährigen. Heute ist er 86 und in der Lebenswelt, die ihn als 16-jährigen prägte. Das zeigt einmal mehr: der Generationenbegriff ist zu starr, alles ist im Wandel.“

Vor dem Hintergrund der älter werdenden Zeitzeugen war dieses Gespräch, das per Skype zwischen Stuttgart und Jerusalem stattfand, innovativ und hat gezeigt, dass neue Wege des intergenerationellen Dialogs möglich sind.

21. Jüdisches Filmfestival Berlin und Potsdam

AMCHA Deutschland war Kooperationspartner des 21. Jüdischen Filmfestivals Berlin und Potsdam. In zwei Filmvorführungen rückten wir die Shoah und die Überlebenden in den Mittelpunkt und sind mit dem Publikum und Gästen ins Gespräch gekommen:

Am Sonntag, 17. Mai um 18.00 Uhr im Kino Babylon in Berlin-Mitte zur Deutschlandpremiere des slowakischen Spielfilms „In Silence“

In Silence

Spielfilm | slowakisch mit englischen Untertiteln
Deutschlandpremiere, Regie: Zdeněk Jiráský, Slowakei/Tschechien 2014, 90 min

Gast: Sharon Brauner (Sängerin), Moderation: Lukas Welz

„In Silence“ erzählt die Geschichten von drei jüdischen Musikern und einer Tänzerin in der Tschechoslowakei der 30er Jahre. Die Kamera folgt den Protagonisten auf Schritt und Tritt, ist Zeuge einer Hochzeit, eines Klavierkonzerts und einer Ballettstunde. Sie begleitet die Pianistin Edith Kraus ins Tierheim, als sie ihren geliebten Hund abgeben muss, sie wartet mit dem alternden Dirigenten Arthur Chitz auf dessen Deportierung und sie blickt auf den Pianisten Karol Ebert, wenn er in gestreifter Gefangenenkleidung in der kalten, nassen Erde von Theresienstadt gräbt. Die Leinwand ist erfüllt mit einer schroffen und bildgewaltigen Ästhetik, die an Filme wie „Tree of Life“ erinnert und den Zuschauer mit einer Wucht trifft, die den Atem nimmt.

 

 

Am Dienstag, 19. Mai um 20.00 Uhr im Kino Babylon in Berlin-Mitte zur Weltpremiere des Dokumentarfilms „Ahawah – Kinder der Auguststraße“

Ahawah

Dokumentarfilm | deutsch/englisch mit englischen Untertiteln, Weltpremiere, Regie: Nadja Tenge/Sally Musleh Jaber, Deutschland 2014, 60 min

Gäste: Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Nadja Tenge (Regisseurin), Sally Musleh Jaber (Regisseurin), Ruth Winkelmann (ehemalige Schülerin der jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße), Regina Scheer (Autorin des Buches „AHAWAH. Das vergessene Haus: Spurensuche in der Berliner Auguststraße“)
Moderation: Lukas Welz (Vorsitzender AMCHA Deutschland e.V.)

Begrüßung durch Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. In den 20er Jahren öffneten in der Berliner Auguststraße zwei Projekte ihre Pforten, die in ihrer Zeit ohne Beispiel waren: die jüdische Mädchenschule und das jüdische Kinderheim AHAWAH. Die modernen Erziehungsmethoden der beiden Einrichtungen basierten auf der Idee von Zusammengehörigkeit, Mitbestimmung und der individuellen Förderung der Kinder. Die Berliner Filmemacherinnen Nadja Tenge und Sally Musleh Jaber begeben sich auf eine bewegende filmische Reise, auf der ehemalige Schülerinnen der Mädchenschule und der 96-jährige Ahawah-Zögling David Markus sich mit Kindern einer evangelischen Schule in Berlin treffen und sich an ihre Zeit in der Auguststraße erinnern. Der Film setzt ein wunderbares Zeichen gegen das Vergessen, indem er eine Geschichte von Mut und Liebe an eine neue Generation weitergibt.

ASF-Jahresversammlung 2015: „Hin und weg vom Zion“

Am 24. und 25. April 2015 fand in Potsdam die diesjährige Jahresversammlung von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste statt. Unter dem Thema „Europas Geschichte(n) – Europas Verantwortung“ wurde der 70. Jahrestag der Befreiung und damit der Beginn gemeinsamer europäischer Geschichte gewürdigt. Dabei sind die erinnerten Geschichten vielfältig. Je nach Land, Region und Familie werden sie unterschiedlich erzählt – manche sind leise und bleiben im Hintergrund, andere werden das Jahr prägen. Alle sind sie Teil Europas.

Gemeinsam wurden einige dieser europäischen Geschichten erzählt: Geschichten von Vertreibung, Migration und Flucht; Geschichten von Konflikten und Kriegen, aber auch Geschichten vom Ankommen, vom Überwinden von Grenzen, Geschichten von Verantwortung und Widerstand.

Das Panel „Hin und weg vom Zion“ ging der Frage nach individuellen Motivationen und verschiedenen historischen Kontexten der Einwanderung nach Israel und des Wegzugs aus Israel nach.

Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., beleuchtete dabei die Einwanderung vor, während und nach der Shoah. Zu einem großen Teil, so Welz, war die Migration von Jüdinnen und Juden aus Europa nach Palästina/Israel eine freiwillig-unfreiwillige Einwanderung. Unfreiwillig, da es einer existenziellen Not bedurfte, die Auslöser für die Migration war, selbst oft für zionistisch Aktive.

Gleichzeitig war die Einwanderung freiwillig, da bewusst Palästina/Israel als neue Heimat gewählt wurde, eine Heimat, die in Europa verloren ging und neu gefunden werden musste. Viele Kinderüberlebende etwa hätten alles verloren, waren entwurzelt. Ihnen bot der jüdische Staat eine Heimat, auch einen Schutz, den sie so nirgendwo anders haben finden können.

Programm ASF-Jahresversammlung 2015

Über Leben – Gedenkveranstaltung und Auftakt 2015

Im Jahr 2015 werden mit dem 70. Jahrestag der Befreiung der Überlebenden und dem 50. Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen zwei Jahrestage gewürdigt, die unmittelbar mit AMCHA Deutschland verbunden sind. In diesem Jahr können wir zugleich auf 25 Jahre erfolgreiche Unterstützung psychosozialer Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen in Israel zurückblicken. Diese Ereignisse wollen wir mit einer Reihe von Projekten und Veranstaltungen würdigen und über das Leben, Überleben und das Leben nach dem Überleben ins Gespräch kommen.

Am 27. Januar 2015, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, präsentierte AMCHA Deutschland zusammen mit dem Willy Brandt Haus einen Theater- und Filmabend.

Wolfgang Thierse, Mitglied im Ehrenrat von AMCHA und ehemaliger Bundestagspräsident, hob dabei die Bedeutung der Hilfe für die Überlebenden heute hervor. Zunehmende Klientenzahlen machten deutlich, wie wichtig diese Arbeit auch 70 Jahre nach der Befreiung sei. Denn seelisches Leid endet nicht, Traumata wirken fort.

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Im Gespräch mit Zwi Steinitz, der 1927 in Posen geboren wurden und das Krakauer Ghetto, die KZ Plaszow, Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Haselhorst, Sachsenhausen und zwei Todesmärsche überlebte und seit 1990 in Behandlung bei AMCHA in Tel Aviv ist, wurde diese Notwendigkeit noch einmal sehr deutlich.

“Nach der Befreiung zeigten sich die Folgen der Verfolgung. Sie belasteten meinen Alltag, das Hungergefühl war nur eine dieser quälenden Erscheinungen. Dank des außergewöhnlichen Feingefühls und Verständnisses der Menschen bei AMCHA, die mich seit Jahren schon unterstützen, öffnete sich mein verschlossenes Herz. Zum ersten Mal befreite ich mich von der verborgenen Last, die an meiner Seele nagte. Sie öffneten nicht nur mein Herz, sie erwarben mein volles Vertrauen.”

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Wir danken für Unterstützung dem Freundeskreis Willy Brandt Haus und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Gedenken im Dortmunder Rathaus

Am 27. Januar wurde im Bürgersaal des Dortmunder Rathauses der Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren gedacht. 250 Gäste waren zu der Veranstaltung gekommen. Der Ehrenvorsitzende von AMCHA Deutschland, Dr. Peter Fischer, war eingeladen, die Arbeit von AMCHA vorzustellen.

Ganz im Focus der zentralen Dortmunder Gedenkveranstaltung stand neben der Erinnerungsarbeit die Situation der Holocaust-Überlebenden heute. In dem festlichen Rahmen stellten neben AMCHA Deutschland der Verein Heimatsucher sowie die Dortmunder Weingartenschule am See ihre vielfältigen Aktivitäten vor.

Peter Fischer wies in seiner Rede auf die persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen hin, mit denen diejenigen konfrontiert waren, die wider Erwarten die Konzentrationslager und die Schrecken der jahrelangen Verfolgung überlebt hatten. Sie hätten neben physischen Folgeschäden aus Folter, Hunger, Zwangsarbeit auch extreme psychische Belastungen davongetragen. Nicht nur, dass sie oft fast alle Angehörigen verloren hätten. Dazu seien Schuldgefühle gekommen, selbst überlebt zu haben, womöglich auf Kosten anderer. Viele Überlebende hätten versucht zu verdrängen, sich in die Bewältigung der Gegenwart zu stürzen. Über ihre Vergangenheit jedoch hätten sie selbst gegenüber ihren neugegründeten Familien geschwiegen. Die schrecklichen Erfahrungen hätten das menschliche Urvertrauen zerstört.

Auch in den Aufnahmegesellschaften habe sich lange niemand für sie interessiert. In den Ländern im ehemals deutschen Herrschaftsbereich habe es möglicherweise an einem schlechten Gewissen gelegen wegen unterlassener Hilfe, Kollaboration und Mittäterschaft, von einem fortexistierenden Antisemitismus ganz zu schweigen. Fischer erinnerte hier beispielhaft an die Pogrome im frühen Nachkriegspolen und die Vertreibung der letzten polnischen Juden 1968. Aber auch im frühen Israel sei zwar an die zionistischen Helden der Staatsgründung und Verteidigungskriege erinnert worden nicht jedoch an die „passiven“ Opfer der Shoah. Erst mit dem Eichmann-Prozess Anfang der 1960er Jahre habe in Israel auch ein Prozess des Umdenkens und Neubesinnens eingesetzt. Es habe viele Jahre gedauert bis die Überlebenden ein gesellschaftliches Klima vorgefunden hätten, ihr Schweigen zu brechen und Vertrauen wieder aufzubauen.

Dr. Peter Fischer. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Dr. Peter Fischer. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

„AMCHA in Israel,“ so Peter Fischer, „mit seinem Potential der Ermutigung, das Schweigen zu überwinden und psychosoziale Hilfe an zu bieten, leistet das – wenn auch spät, seit 1987 – im direkten Zusammenwirken von Leidensgefährten untereinander und mit professionell erfahrenen Mitarbeitern. Kommunikation vermitteln, der Einsamkeit und Blockaden zu entgegen zu wirken – dafür wird landesweit in 14 Zentren gearbeitet.“

Vor dem Publikum im Dortmunder Rathaussaal, unter Ihnen auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau, regte Dr. Fischer an, dass die Stadt Dortmund förderndes Mitglied von AMCHA werden und jährlich eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Holocaust-Überlebenden durchführen könnte. Denn für die psychosoziale Hilfe für die Überlebenden benötige AMCHA die Unterstützung durch Spenden.

250 Gäste waren in den Bürgersaal des Dortmunder Rathauses gekommen. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

250 Gäste waren in den Bürgersaal des Dortmunder Rathauses gekommen. Bild: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Die Veranstaltung wurde gemeinsam verwirklicht durch die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V., den Jugendring Dortmund, das Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB Dortmund), die Auslandsgesellschaft NRW e.V., die VHS Dortmund, die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, das Schulreferat der Evangelischen Kirche Dortmund und die Evangelischen Jugendkirche.

AMCHA dankt allen Beteiligten und der Stadt Dortmund für die Einladung.

70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar 2015 jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 70. Male. Aus diesem Anlass hat das Internationale Auschwitz-Komitee mit den Überlebenden Eva Fahidi, Marian Turski und mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu einer Gedenkveranstaltung einen Tag zuvor in Berlin eingeladen. Bei dieser Veranstaltung konnten wir auf die psychosoziale Hilfe von AMCHA in Israel aufmerksam machen. Der Überlebende und Künstler Yehuda Bacon war ebenfalls anwesend. Er schrieb über die Notwendigkeit Arbeit von AMCHA:

„Wir müssen nach vorne schauen, trotz all der Grausamkeiten. Das heißt aber auch, dass denjenigen von uns Überlebenden, die heute psychisch unter den Folgen der Verfolgung leiden, geholfen wird. Viele von uns können noch heute nicht von ihren schrecklichen Erfahrungen erzählen. Traumata, die viele Jahrzehnte unterdrückt waren, brechen wieder auf, wenn unsere Kinder so alt sind, wie wir es waren, als wir befreit wurden, oder wenn die Einsamkeit uns zurück versetzt in das Lager.

In Israel gibt es eine Organisation, der ich verbunden bin, da sie uns Überlebenden hilft, mit dem Überleben und den Folgen der Verfolgung umzugehen und denjenigen Wärme, Vertrauen und Hilfe zu spenden, die sie brauchen: AMCHA wurde 1987 als Selbsthilfeorganisation von Überlebenden für Überlebende gegründet, um psychosoziale Hilfe zu leisten. Mehr als 17.000 Menschen hilft AMCHA heute jährlich, und es werden jedes Jahr mehr. Nach der Befreiung war ich zugleich 16- und 80-jährig – wegen der Erfahrungen, die kein normaler Mensch hatte. Heute bin ich 86, doch Auschwitz, das ich mit 16 Jahren verlassen konnte, ist immer präsent.“

27. Januar 2015: Gedenkveranstaltung „Über Leben“ in Berlin

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag, 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, kooperieren wir bei der Gedenkveranstaltung „Über Leben“ mit dem Willy Brandt Haus Berlin.

Hier finden Sie die Ankündigung

Programm (ab 18.00 Uhr)

Begrüßung
Dr. h.c. Wolfgang Thierse,
Bundestagsvizepräsident a.D., Ehrenrat von AMCHA Deutschland

Hardy Kistner,
Theaterschule Rixdorf, Regisseur „Mutters Courage“

Theaterstück
„Mutters Courage“ von George Tabori

Gespräch mit
Zwi Steinitz, Überlebender des Holocaust und Klient von AMCHA in Tel Aviv seit 1994
Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident a.D., Ehrenrat von AMCHA Deutschland

Dokumentarfilm
„Numbered“ von Dana Doron und Uriel Sinai
(Israel 2012, 55 min)

Das Theaterstück „Mutters Courage“ erzählt uns die Geschichte der Deportation von George Taboris Mutter nach Auschwitz 1944, die durch Zufall und Courage als Einzige am gleichen Tag wieder zurück nach Budapest kam und überlebte. In dem 1979 veröffentlichten Stück erzählt der Sohn, wie seine Mutter auf dem Weg zum Rommee-Abend im Budapest des Jahres 1944 verhaftet wird. Unter zahlreichen Verwicklungen landet sie zuerst allein in der Straßenbahn, dann im Viehwaggon im KZ. Als Einzige, der mit diesem Transport Deportierten, darf sie kurz vor der Ankunft in Auschwitz nach Budapest zurückkehren.

Der Film „Numbered“ begibt sich auf die Spur der eintätowierten Nummern am Unterarm, welche vielen Auschwitz-Häftlingen stetige Erinnerung an die grausame Zeit in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ist. Dana Doron, Tochter eines Holocaust – Überlebenden, interviewte Überlebende und zeichnet einzigartige, hoch emotionale Porträts für die israelische Dokumentation, die sie mit dem Fotojournalisten Uriel Sinai drehte. Der Film erforscht die sich wandelnde Bedeutung der tätowierten Nummern bis heute − als kollektives wie auch persönliches Symbol.

27. Januar 2015: Gedenkveranstaltung in Dortmund

Zur zentralen Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in Dortmund wird am 27. Januar im Rathaus der Stadt die Arbeit mit Überlebenden des Holocaust im Blickpunkt stehen.

Dr. Peter Fischer, Ehrenvorsitzender von AMCHA Deutschland, die Organisatorinnen von Heimatsucher e.V. und die Weingartenschule am See wurden ins Dortmunder Rathaus eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen.

Hier finden Sie die Ankündigung zur Veranstaltung

„Der Holocaust ist Geschichte. Doch in den Erinnerungen vieler Überlebender ist er tägliche Gegenwart, vor allem für sogenannte Kinderüberlebende. Gerade im Alter, mit dem Verlust des Partners, dem Wegzug der Kinder und einer zunehmenden Immobilität nimmt die Traumata-Belastung stetig zu. Sie führt oftmals zu Depressionen, Isolation, Albträumen und Panikattacken. Deshalb nimmt die Zahl derer, die Hilfe benötigen, nicht wie lange vermutet kontinuierlich ab, sondern sie steigt.

Hilfe finden sie bei AMCHA (hebräisch für dein Volk): Das 1987 von Überlebenden für Überlebende gegründete „Israelische Zentrum für psychosoziale Hilfe für Überlebende des Holocaust“ betreut in 14 Zentren derzeit erfolgreich mehr als 16.000 der rund 200.000 Holocaustüberlebenden in Israel. Sie im Kampf gegen die Traumata zu unterstützen, ihnen einen Lebensabend ohne Albträume und Ängste zu ermöglichen und die Gegenwart nicht von den Erinnerungen der Vergangenheit dominieren zu lassen sind Aufgabe und Ziel von AMCHA.

Auch das Projekt »HEIMATSUCHER–Schoah-Überlebende heute« beleuchtet im Rahmen von Ausstellungen und Seminaren mit Schulklassen die Lebensgeschichten Überlebender. Aus eigener Erfahrung mit Zeitzeugen-Begegnungen erzählen zwei der Projektleiterinnen des Zeitzeugenprojekts HEIMATSUCHER von Strategien des Weitermachens. Sie berichten von Menschen, die nach dem Unaussprechlichen die Kraft fanden, ihren eigenen Weg weiterzuverfolgen und sich ein neues Zuhause aufbauten.

Im Rahmen der Veranstaltung werden Dortmunder Grundschüler einen eigenen Beitrag zum Gedenktag leisten. Schülerinnen und Schüler der Weingartenschule am See haben Spuren der jüdischen Familie Lewy in Hörde und den Niederlanden gesichert. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Bertha Mathilde Lewy, die im Alter von neun Jahren in Sobibor ermordet wurde. Die Schüler stellen ihre Arbeit zum Schicksal dieser jüdischen Familie am Holocaustgedenktag vor.“

Eine Veranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V., des Jugendringes Dortmund, des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes (IBB Dortmund), der Auslandsgesellschaft NRW e.V., der VHS Dortmund, der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, dem Schulreferat der Evangelischen Kirche Dortmund und der Evangelischen Jugendkirche.

„Mut zum Leben“ – 9. November 2014 in Celle

Am 9. November 2014 wurde in Celle im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ gezeigt. In ihrem Film porträtieren die Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior vier Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit.

Die Stadt Celle zeigte diesen Film gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V. und der Jüdischen Gemeinde Celle e.V. zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938.

Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende sprachen Christa Spannbauer und Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V. über die Situation der Überlebenden heute und die individuellen Strategien, mit den Traumata weiterzuleben.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden Spenden zugunsten von AMCHA und der Hilfe für die Überlebenden des Holocaust gesammelt.

 

Fotos: Carsten Maehnert

Lukas Welz, Celler Synagoge, 9. November 2014

Einführung von Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., in der Celler Synagoge, 9. November 2014. (C) Carsten Maehnert

Betreuung und Belastung – ZWST-Konferenz

„Betreuung und Belastung – Herausforderungen bei der psychosozialen Versorgung von Überlebenden der Shoah“

Vom 2. bis 5. November 2014 organisiert die Zentrale Wohlfahrsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) mit Unterstützung der Aktion Mensch und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft eine internationale Fachtagung in Frankfurt am Main. Die Tagung hat die Unterstützung und Professionalisierung der haupt- und ehrenamtlichen Fachkräfte in jüdischen Gemeinden, Seniorenzentren, Treffpunkten für Überlebende und anderen Einrichtungen im In- und Ausland zum Ziel.

Der Fokus in diesem Jahr liegt auf der transgenerationalen Übertragung von Traumata und den Auswirkungen der Shoah auf die jeweilige Familiendynamik. Weiterhin werden die Übertragungsmechanismen in der Versorgung von Überlebenden durch Fachkräfte der nachfolgenden Generationen behandelt.

Bei der Konferenz wird auch Dr. Martin Auerbach, Klinischer Direktor von AMCHA, sprechen. Christian Krause, Leiter der Geschäftsstelle, vertritt AMCHA Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie hier.