Deutsch-israelische Begegnung der Generationen: Das Tandem-Projekt

Die Begegnung der Generationen „Das Tandem-Projekt“ brachte drei Großeltern-Enkel-Paare aus Israel mit drei Großeltern-Enkel-Paaren aus Deutschland – vorwiegend aus der Region Berlin-Brandenburg – für eine Woche zusammen. Auf Einladung der AMCHA-Stiftung Deutschland und der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz verbrachten sie die Tage vom 16. bis 21. Juni gemeinsam auf Schloß Gollwitz.

Begegnungen der Generationen-5Drei der israelischen Großeltern sind in Deutschland geboren und haben als Kinder den Holocaust überlebt. Sie sind Klienten von AMCHA in Israel. Auch die Leiterin des AMCHA-Zentrums in Jerusalem, Yohanna Gottesfeld, gehörte zur Reisegruppe. Auf gemeinsamen Ausflügen nach Berlin und Chemnitz, zu den Familienwurzeln der Teilnehmer Reuven Reiter und George Sheffi oder beim abendlichen Musizieren, kamen sich die Teilnehmer näher. Sie besuchten das Evangelische Gymnasium Kleinmachnow und führten dort Zeitzeugengespäche mit Schülern verschiedener Klassenstufen. Die Schüler zeigten sich stark beeindruckt, wieviel Lebensfreude die Überlebenden trotz des erlebten Leids ausstrahlten.

43200046In dieser einen Woche entwickelte sich ein intensiver, freundschaftlicher Austausch. Das Interesse für die jeweiligen Biographien der Deutschen und der Israelis innerhalb, aber auch zwischen den Generationen war groß. Die Enkel erlebten ihre Großeltern in einem anderen Kontext und hörten sie zum Teil das erste Mal über ihre Vergangenheit reden.

Malte aus Kleinmachnow: „Es ist das erste Mal, dass meine Großmutter so über ihre Vergangenheit spricht, bisher meinte Sie immer, Sie hätte nichts zu berichten“.

Richard Hirshhorn erzählte seine Lebensgeschichte zum ersten Mal in deutscher Sprache in Deutschland: “Ich finde es großartig, dass man sich in Deutschland so mit der Vergangenheit beschäftigt und solche Projekte macht, deshalb spreche ich hier zum ersten Mal auch auf Deutsch“.

Sein Enkel Adar: „Nächstes Jahr will ich wiederkommen“.

 

Sehen Sie hier ein Video über das Projekt.

 

Das „Tandem-Projekt“ wurde gefördert und verwirklicht von:

Amcha-LogoLogo-Stiftung-GollwitzF. C. Flick Stiftung - Logo  EVZ_DT_LOGO_RGB

Gedenkkonzert zum 1. Gefangenentransport nach Auschwitz

Anlässlich des 1. Gefangenentransportes nach Auschwitz laden Musikerinnen und Musiker aus Oświęcim, Berlin und Tel Aviv zum Gedenkkonzert am 12. Juni 2013 um 19.00 Uhr in die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein. Interpretiert wird die Suite aus der Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ mit Lesungen und einer Andacht von Rabbiner Daniel Alter und der Pfarrerin Dr. Cornelia Kulawik.

Während des Gedenkkonzertes kann für die Arbeit von AMCHA gespendet werden. Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem kleinen Empfang in der Gedächtniskirche ein. Anmeldung unter: berlin@city-of-peace.eu

Oranienburg neue Partnerstadt von AMCHA

Mit überragender Mehrheit hat die Stadtverordnetenversammlung von Oranienburg einer Mitgliedschaft bei AMCHA zugestimmt. Damit ist Oranienburg neben Celle und Eberswalde die dritte Kommune, die sich als Partnerstadt von AMCHA Deutschland versteht. Im Zusammenhang damit stehen Veranstaltungen, die auf die Situation der Überlebenden heute aufmerksam machen.

Jahresversammlung Aktion Sühnezeichen Friedensdienste „Erzähle weiter!“

Vom 24. bis 26. Mai 2013 hat Aktion Sühnezeichen Friedensdienste seine Jahrestagung zum Thema „Erzähle weiter! – Lebendige Geschichte in der Begegnung der Generationen“ in Berlin durchgeführt. Achtzig Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme erinnerten etwa 170 Teilnehmende im generationsübergreifenden Gespräch mit Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen an die Geschichte des 20. Jahrhunderts und diskutierten die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Es ging um die Erinnerung, um die Gegenwart des Erzählens. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, worüber wir nicht reden, warum wir uns an bestimmte Dinge erinnern und andere vergessen.

Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., war an der Organisation der Veranstaltung beteiligt. Der Psychologe Natan Kellermann, Mitglied im Vorstand von AMCHA Israel, hat das Podium „Zukunft braucht Erinnerung – Möglichkeiten und Hindernisse der Erinnerung in Deutschland und Israel im Wandel der Jahrzehnte“, zusammen mit Elke Gryglewski vom Haus der Wannseekonferenz gestaltet.

34. Deutscher Evangelischen Kirchentag in Hamburg

Vom 1. bis 5. Mai 2013 findet der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg statt. AMCHA präsentiert sich dort auf dem Markt der Möglichkeiten bei den Ständen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Halle A3, A20 und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Halle A3, A17.

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Lukas Welz (AMCHA Deutschland) im Gespräch mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Reinhold Robbe, Mitglied im Kuratorium der AMCHA-Stiftung Deutschland und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

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Holger Michel und Lukas Welz, Vorstandsmitglieder von AMCHA Deutschland e.V., im Gespräch mit Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen.

Tagung „Gebrochene Identitäten“ in Frankfurt/Main

Dr. Martin Auerbach, Klinischer Direktor von AMCHA Israel, referierte über „Trauma, Dissoziation und gebrochene Identitäten“ auf der Tagung „Gebrochene Identitäten“, die auf Einladung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST), der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und der Aktion Mensch vom 4. bis 7. November 2012 in Frankfurt/Main stattfand.

Leitfragen der Tagung waren unter anderem, wie ein Mensch das Überleben nach dem Holocaust übersteht und wie Kinder und Erwachsene auf extreme Erlebnisse reagieren. Dr. Martin Auerbach findet keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen: Extreme traumatische Erlebnisse können zu einem „überdurchschnittlichem Erinnerungsvermögen“, aber auch „Gedächtnislücken“ führen. Eine Form der Therapie ist die Lebensrückblick-Therapie, die AMCHA in Israel eingeführt hat.

 

Hier können Sie einen Artikel in der Jüdischen Allgemeinen lesen.

Hier finden Sie einen Bericht der Tagung von der ZWST.

Wachsen mit der Erinnerung – Zum 9. November

Gedenken, aber die Überlebenden nicht vergessen – Lebendige Erinnerung zum 9. November in Eberswalde verbunden mit humanitärer Hilfe für Holocaust-Überlebende in Israel.

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Mai 2012, Bürgerwerkstatt im Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

Bürgerwerkstatt im Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin

Parallel zum offiziellen Gedenken anlässlich des 70. Jahrestages der „Wannsee-Konferenz“ im Mai 2012 haben sich engagierte Menschen, Jugendliche und Erwachsene, Bürger unterschiedlicher Religionen und sozialer Herkunft am 9. Mai 2012 im Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin die Frage gestellt: „Was haben die damaligen Ereignisse mit unserem heutigen Leben zu tun?“

Staffa_Steinitz_Eichhorn_Morsch_Kellermann_FischerAn der Bürgerwerkstatt mit etwa 130 Gästen nahmen neben dem Zeitzeugen Zwi Steinitz (Tel Aviv), Dr. Natan Kellermann (Psychologe, AMCHA Israel), Prof. Dr. Günter Morsch (Historiker, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) und Dr. Christian Staffa (Theologe, Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Alfred Eichhorn.

Die Veranstaltung war Teil der AMCHA-Bürgerwerkstätten. Jugendliche und Erwachsene, Bürger unterschiedlicher Religionen und sozialer Herkunft kommen hier mit Zeitzeugen, Psychologen, Theologen und Historikern ins Gespräch und diskutieren die Verantwortung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anhand des Holocaust. Weitere Veranstaltungen fanden bisher in Eberswalde, Celle und Hannover statt.

Die Gedanken der bisherigen Bürgerwerkstätten sind in einer Denkschrift zusammengefasst worden.

Bürgerwerkstatt im Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, Mai 2012: Zwi Steinitz, Prof. Dr. Günter Morsch, Dr. Natan Kellermann, Dr. Christian Staffa (von links)

Zwi Steinitz, Prof. Dr. Günter Morsch, Dr. Natan Kellermann, Dr. Christian Staffa (von links)

Mai 2012, Bürgerwerkstatt im Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

Publikum im Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

Bürgerwerkstatt im Denkmal für die ermordeten Juden Europas Berlin, Mai 2012: Zeitzeugengespräch mit Zwi Steinitz, Moderation: Alfred Eichhorn

Zeitzeugengespräch mit Zwi Steinitz, Moderation: Alfred Eichhorn

 

Denkschrift „Gedenken, aber die Überlebenden nicht vergessen!“

Unfassbar

Wir stehen vor der Tatsache der Shoah und sind ratlos angesichts der unvorstellbaren Kälte, der Brutalität, des Zynismus, der systematischen und bürokratischen Umsetzung der Vernichtung. Auch Jahrzehnte des Nachdenkens und Forschens in den 67 Jahren nach den nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen haben immer noch keine abschließend gültige Erklärung für die Ursachen erbracht. Unabänderlich jedoch bleibt: Die Verbrechen gingen von Deutschland aus, wurden von Deutschen geplant und maßgeblich ins Werk gesetzt. Für uns heute unveräußerlich scheinende humanitäre Werte verloren binnen Kurzem für viel zu viele ihre Gültigkeit. Auch das gehört für uns zum Unfassbaren.

„Wir Nachgeborenen“

Die zeitliche Distanz zu den Taten wird immer größer, und viele von uns, die schon zu den Nachgeborenen zählen, sagen zu Recht: „Uns trifft keine Schuld. Wir haben keine Verbrechen begangen. Wir haben das Unheil nicht geschehen lassen.“

Und dennoch ist bei uns allen, welcher Generation wir auch angehören, das Bedürfnis spürbar, uns zu diesen Geschehnissen zu verhalten, sie zu verstehen, Konsequenzen für das eigene Leben und die Gesellschaft, in der wir leben, zu ziehen und Gefährdungen der Werte, für die wir leben, entgegenzutreten. Unser Gemeinwesen basiert auf der Überzeugung, dass wir eine Gesellschaft der Pluralität sind, in der Religionszugehörigkeit, Geschlecht, sexuelle Orientierung und geographische Herkunft für das Ansehen einer Person keine Rolle spielen dürfen und in der die persönliche Unversehrtheit garantiert ist. Durch die Geschichte unserer Nation wird uns immer wieder bewusst, dass die demokratisch-humanistische Werteordnung, die wir so schätzen, keine selbstverständliche Errungenschaft ist. Auch wenn die meisten von uns keine Schuld mehr trifft, so tragen wir doch Verantwortung für das Land und die Gesellschaft, in der wir heute leben und zukünftig leben wollen. Die Gewissheit eines „Nie wieder“ gibt es nicht.

Verantwortung

Zu unserer Verantwortung gehört eine tief empfundene Anteilnahme mit den Opfern der Shoah. Über 200.000 Menschen aus allen Teilen Europas, die der Verfolgung und Ermordung entkommen konnten, leben heute noch in Israel. Für sie, ihr selbstbestimmtes Leben und das ihrer Familien und Angehörigen in Freiheit und Frieden fühlen wir uns verantwortlich. Viele Überlebende der Shoah quälen noch heute traumatische Erinnerungen an Verfolgung, Deportation, Selektion, Hunger, Folter, die Ermordung von Angehörigen. Diese traumatischen Belastungen lindern zu helfen und diesen Menschen ein freudevolles Leben im Alter zu ermöglichen, auch dies verstehen wir als Teil unserer Verantwortung.

Aufruf

Vor diesem Hintergrund wenden wir uns an Sie, die Sie eine Vereinbarung mit einer israelischen Partnerkommune haben und der Verbindung mit den Menschen in Israel schon heute eine besondere Bedeutung beimessen. Wir bitten Sie, AMCHA zu unterstützen.