Zum Jahresende

Auch im zurückliegenden Jahr haben mehr Menschen Hilfe bei AMCHA gesucht, als je zuvor. Für Ihre Unterstützung der wichtigen Arbeit möchten wir uns bei Ihnen im Namen von AMCHA Israel herzlich bedanken und freuen uns, die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im nächsten Jahr fortsetzen zu können!

Ihnen und Ihren Familien wünschen wir frohe Tage und ein gesundes und glückliches 2014!

AMCHA zum 75. Jahrestag der „Reichspogromnacht“

Das Denkmal „Wachsen-mit-Erinnerung“, das am 9. November 2013 von Bundespräsident Gauck in Eberswalde eingeweiht wird, verbindet Erinnerung an die Vergangenheit und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft durch bürgerschaftliches Engagement für die Arbeit von AMCHA in Israel.

DSC_0084

Am 75. Jahrestag der Reichpogromnacht wird Bundespräsident Joachim Gauck am 9. November 2013 das Denkmal „Wachsen mit Erinnerung“ in Eberswalde an dem Ort einweihen, an dem bis zum 9. November 1938 die Synagoge der Stadt Eberswalde stand.

Von den Künstlern Horst Hoheisel und Andreas Knitz entworfen, geht das Denkmal auf die Initiative Eberswalder Bürger zurück und wurde von AMCHA Deutschland mitentwickelt, dem deutschen Teil des gleichnamigen Israelischen Zentrums für psychosoziale Hilfe für Holocaustüberlebende.

„Mit dem Denkmal der ’Baumsynagoge’ wurde ein einzigartiger Gedenkort für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bewohner Eberswaldes geschaffen. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass das deutsche Staatsoberhaupt dieses Denkmal einweiht und damit den Opfern des Nationalsozialismus seinen Respekt erweist. Aber auch die Entstehung des Denkmals ist selbst eine große Geste, die von den Überlebenden deutlich wahrgenommen wird: Von Bürgern initiiert, in direkter demokratischer Beteiligung entwickelt und mit Spenden für die Überlebenden bedacht – damit weist die Botschaft des Denkmals über das Gedenken und Erinnern hinaus und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart“ so Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V..

Zeichnung_Synagoge_AusschnittDas Denkmal zeichnet sich zum einen durch seine Architektur der „wachsenden Synagoge“ aus, die sich ständig verändern wird und damit auch für das Wachsen von Erinnerung und Gedenken steht. Es zeichnet sich aber zum anderen durch die direkte Beteiligung der Bürger aus, die nicht nur den Anstoß für dieses Denkmal gegeben haben, sondern darüber hinaus die rund 1.000 Buchstaben, die in die Denkmalwand eingelassen wurden, stifteten. Die Erlöse kommen der psychosozialen Hilfe für Holocaust-Überlebende durch AMCHA in Israel zugute.

Beschreibung des Denkmals:

Auf den Grundrissen der früheren Außenmauern der Synagoge wurde eine zweieinhalb Meter hohe-Mauer errichtet, die keine Öffnung hat. Im Inneren wurden Bäume gepflanzt, die im Laufe der Zeit den Baukörper der ehemaligen Synagoge nachzeichnen werden. Der abgeschlossene Innenraum erinnert durch seine Unzugänglichkeit an den unwiederbringlichen Verlust und das Unrecht, welches hier geschehen ist. Mehr unter goo.gl/QY5nDb

Über AMCHA:

AMCHA (Deutschland) unterstützt die gleichnamige Nichtregierungorganisation in Israel, das „Israelische Zentrum für psychosoziale Hilfe für Holocaustüberlebenden und deren Nachfahren“, welches derzeit etwa 16.000 der noch rund 200.000 Holocaust-Überlebenden in Israel bei der Bewältigung schwerer Traumata immateriell unterstützt. Die Nachfrage nach psychologischer Hilfe steigt stetig an, da gerade im Alter die Belastungen durch die erlittenen Traumata stark zunehmen. 2013 verzeichnete AMCHA einen Klientenanstieg von über 10 Prozent bei massiv sinkenden Spendenzahlen. Das Wort Amcha kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „dein Volk“. Die Stadt Eberswalde ist seit Ende 2010 Mitglied von AMCHA.

Filmdokumentation zum deutsch-israelischen Tandem-Projekt

Im Rahmen unserer deutsch-israelischen Begegnungswoche trafen mehrere Holocaust-Überlebende auf gleichaltrige Deutsche – das Besondere: Alle hatten ihre Enkel mitgebracht. Die persönliche Begegnung, das Kennenlernen der verschiedenen Lebensgeschichten, hat über Nationen- und Generationengrenzen hinweg Brücken entstehen lassen.

Auf youtube können Sie nun eine filmische Dokumentation der Begegnung ansehen:

http://www.youtube.com/watch?v=ru5uCxBmMHY

 

Shana tova aus Jerusalem – Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes Rosh HaShana wollen wir Ihnen im Namen von AMCHA Israel und AMCHA Deutschland unseren besonderen Dank und Anerkennung für Ihren Beitrag und die Unterstützung unserer Arbeit aussprechen!

Aus Jerusalem senden wir herzliche Wünsche für das neue Jahr 5774!

Shana Tova,

Dan Waldman

Direktor von AMCHA Israel

Trauer um Wolfgang Lüder

Fast zwanzig Jahre war der Rechtsanwalt und ehemalige Bürgermeister von Berlin, Wolfgang Lüder, mit AMCHA verbunden. Insbesondere in der Gründungsphase der AMCHA-Stiftung hatte er mit seinem Interesse am Anliegen von AMCHA und seinem wundervollen Engagement maßgeblichen Anteil an der Errichtung der Stiftung und hat mit seiner juristischen Weitsicht die Grundlagen für die spätere erfolgreiche Arbeit der AMCHA-Stiftung geschaffen.
AMCHA und unseren Bemühungen galten seither Jahr für Jahr seine liebevolle Aufmerksamkeit. Verlässlich und mit der ihm eigenen Sensibilität war er uns juristischer Beistand und ratgebender Freund, viele Jahre auch als Mitglied des AMCHA Deutschland e.V. Am 19. August 2013 ist Wolfgang Lüder verstorben. Wir gedenken seiner in großer Dankbarkeit. Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und seinen Kindern und Enkeln.

„Wir werden die Arbeit auch in Zukunft fortführen!“ – Die Überlebende und AMCHA-Psychotherapeutin Giselle Cycowicz im Porträt

Als AMCHA 1987 von einigen Überlebenden und Psychologen gegründet wurde, war Selbsthilfe, also die Hilfe von Überlebenden für Überlebende, ein zentraler Gedanke. Ein wichtiges Ziel ist es seitdem, ein Zusammenwirken gegenseitiger Hilfe zu erreichen und dabei ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Überlebenden verstanden und sicher fühlen. Auch heute noch gehören meistenteils Angehörige der ersten und zweiten Überlebendengeneration zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Für dieses Journal hat sich Giselle Cycowicz bereit erklärt, von ihrer Tätigkeit als Psychologin bei AMCHA in Jerusalem zu erzählen. Sie selbst wurde 1927 in der Stadt Chust in der Karpato-Ukraine geboren, die damals zur Tschechoslowakei gehörte. 1944 wurde sie mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihr Vater wurde dort ermordet. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren zwei Schwestern gelang es ihr zu überleben. Nach der Befreiung und einer mehrjährigen Odyssee durch Europa, konnte sie sich in den USA ein neues Leben aufbauen und eine Familie gründen. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, immigrierte Giselle 1992 nach Israel und arbeitet dort nun seit vielen Jahren für AMCHA:

„Das professionelle Personal, die Psychiater, Psychologen und Sozialarbeiter (alle mit ihren verschiedenen Spezialisierungen und Behandlungsansätzen), besteht im AMCHA-Zentrum in Jerusalem zum einen aus zwei Shoah-Überlebenden, mir selbst und Mina. Sie überlebte zusammen mit ihrer Mutter in einem Erdbunker in einem Wald in Polen. Da war sie neun Jahre alt. Die übrige Belegschaft besteht größtenteils aus Kindern von Überlebenden, die für das Thema Shoah natürlich besonders sensibilisiert sind. Bei AMCHA bietet sich uns die Möglichkeit, in verschiedenen sozialen Tätigkeitsfeldern zusammenzuwirken. Auch für mich als Psychologin ist es dabei sehr wichtig, Raum zu haben, um Fragen an das eigene Lebensschicksal zulassen zu können, die immer dann besonders drängend werden, wenn die Lebensgeschichten der Patienten der eigenen sehr nahe kommen. Dann ist es unheimlich erleichternd, sich in einem Umfeld zu wissen, in dem man seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.

Unsere Patienten sind derzeit in ihren Achtzigern, teilweise sogar in den späten Neunzigern. Trotz ihres Alters sind sie geistig in bemerkenswert guter Verfassung, klar und aufgeweckt. Die Gründe für sie, um bei AMCHA Hilfe zu suchen, sind in der Regel schwere Lebenskrisen, die oft durch den Verlust des Lebenspartners ausgelöst werden. Meist wurde der Mann oder die Frau lange Jahre zu Hause alleine gepflegt, auch weil es finanziell nicht möglich war, eine Hilfe zu engagieren. Das führt dann zu neuen Problemen, wie das Finden einer geeigneten neuen Wohnstätte, falls sich der- oder diejenigen dann nicht mehr allein zu Hause versorgen kann. Der Umzug in ein Seniorenheim aber wird oft abgelehnt aus Angst vor der fremden Umgebung, aber auch, weil eine solche Unterbringung für viele Menschen gar nicht erschwinglich ist.

Auch aus Konflikten mit den Kindern können schwere Krisen herrühren. Die stehen zumeist mitten im Leben und haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, im Job, mit in der Erziehung der eigenen Kinder oder den Facetten des eigenen Alterns. Für die Überlebenden bleibt im Hintergrund immer der Schmerz der dunklen Erinnerung an die Shoah-Jahre präsent. Er ist für sie unauslöschlich.

All dies muss der Therapeut berücksichtigen und sehr behutsam und einfühlsam vorgehen, ohne den Patienten zu drängen. Davon hängt ab, wie beruhigend und vertrauensfördernd sein Zusammenwirken mit dem Überlebenden ist. Sehr hilfreich kann es dabei sein, wenn er auch dessen Muttersprache spricht.

Ich glaube, das größte Verdienst von AMCHA ist der Grundsatz, dass wir die Menschen, die zu uns kommen nie abweisen und dass wir sie nie fallen lassen. Auch wenn es die körperliche Verfassung nicht mehr zulässt, dass die Patienten die AMCHA-Zentren aufsuchen, so führen wir die Behandlung doch fort, wenn es notwendig ist, auch bei ihnen zu Hause. Wir geben ihnen das Vertrauen, sie bis an ihr Lebensende zu begleiten und für sie da zu sein.

Unsere Arbeit werden wir auch in Zukunft fortsetzen, nicht zuletzt, um  den Kindern der Überlebenden Trost zu spenden, die nun ebenfalls zu uns kommen.“

Die gegenseitige Unterstützung und verbindliche Hilfe ist ein wesentliches Anliegen von AMCHA, das Sie durch Ihre Spenden zu verwirklichen helfen. Dafür danke ich Ihnen!

Ihr

e-Signatur

Lukas Welz
Vorstandsvorsitzender AMCHA Deutschland e.V.

 

 

Deutsch-israelische Begegnung der Generationen: Das Tandem-Projekt

Die Begegnung der Generationen „Das Tandem-Projekt“ brachte drei Großeltern-Enkel-Paare aus Israel mit drei Großeltern-Enkel-Paaren aus Deutschland – vorwiegend aus der Region Berlin-Brandenburg – für eine Woche zusammen. Auf Einladung der AMCHA-Stiftung Deutschland und der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz verbrachten sie die Tage vom 16. bis 21. Juni gemeinsam auf Schloß Gollwitz.

Begegnungen der Generationen-5Drei der israelischen Großeltern sind in Deutschland geboren und haben als Kinder den Holocaust überlebt. Sie sind Klienten von AMCHA in Israel. Auch die Leiterin des AMCHA-Zentrums in Jerusalem, Yohanna Gottesfeld, gehörte zur Reisegruppe. Auf gemeinsamen Ausflügen nach Berlin und Chemnitz, zu den Familienwurzeln der Teilnehmer Reuven Reiter und George Sheffi oder beim abendlichen Musizieren, kamen sich die Teilnehmer näher. Sie besuchten das Evangelische Gymnasium Kleinmachnow und führten dort Zeitzeugengespäche mit Schülern verschiedener Klassenstufen. Die Schüler zeigten sich stark beeindruckt, wieviel Lebensfreude die Überlebenden trotz des erlebten Leids ausstrahlten.

43200046In dieser einen Woche entwickelte sich ein intensiver, freundschaftlicher Austausch. Das Interesse für die jeweiligen Biographien der Deutschen und der Israelis innerhalb, aber auch zwischen den Generationen war groß. Die Enkel erlebten ihre Großeltern in einem anderen Kontext und hörten sie zum Teil das erste Mal über ihre Vergangenheit reden.

Malte aus Kleinmachnow: „Es ist das erste Mal, dass meine Großmutter so über ihre Vergangenheit spricht, bisher meinte Sie immer, Sie hätte nichts zu berichten“.

Richard Hirshhorn erzählte seine Lebensgeschichte zum ersten Mal in deutscher Sprache in Deutschland: “Ich finde es großartig, dass man sich in Deutschland so mit der Vergangenheit beschäftigt und solche Projekte macht, deshalb spreche ich hier zum ersten Mal auch auf Deutsch“.

Sein Enkel Adar: „Nächstes Jahr will ich wiederkommen“.

 

Sehen Sie hier ein Video über das Projekt.

 

Das „Tandem-Projekt“ wurde gefördert und verwirklicht von:

Amcha-LogoLogo-Stiftung-GollwitzF. C. Flick Stiftung - Logo  EVZ_DT_LOGO_RGB

Gedenkkonzert zum 1. Gefangenentransport nach Auschwitz

Anlässlich des 1. Gefangenentransportes nach Auschwitz laden Musikerinnen und Musiker aus Oświęcim, Berlin und Tel Aviv zum Gedenkkonzert am 12. Juni 2013 um 19.00 Uhr in die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein. Interpretiert wird die Suite aus der Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ mit Lesungen und einer Andacht von Rabbiner Daniel Alter und der Pfarrerin Dr. Cornelia Kulawik.

Während des Gedenkkonzertes kann für die Arbeit von AMCHA gespendet werden. Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem kleinen Empfang in der Gedächtniskirche ein. Anmeldung unter: berlin@city-of-peace.eu

Oranienburg neue Partnerstadt von AMCHA

Mit überragender Mehrheit hat die Stadtverordnetenversammlung von Oranienburg einer Mitgliedschaft bei AMCHA zugestimmt. Damit ist Oranienburg neben Celle und Eberswalde die dritte Kommune, die sich als Partnerstadt von AMCHA Deutschland versteht. Im Zusammenhang damit stehen Veranstaltungen, die auf die Situation der Überlebenden heute aufmerksam machen.

Jahresversammlung Aktion Sühnezeichen Friedensdienste „Erzähle weiter!“

Vom 24. bis 26. Mai 2013 hat Aktion Sühnezeichen Friedensdienste seine Jahrestagung zum Thema „Erzähle weiter! – Lebendige Geschichte in der Begegnung der Generationen“ in Berlin durchgeführt. Achtzig Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme erinnerten etwa 170 Teilnehmende im generationsübergreifenden Gespräch mit Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen an die Geschichte des 20. Jahrhunderts und diskutierten die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Es ging um die Erinnerung, um die Gegenwart des Erzählens. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, worüber wir nicht reden, warum wir uns an bestimmte Dinge erinnern und andere vergessen.

Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., war an der Organisation der Veranstaltung beteiligt. Der Psychologe Natan Kellermann, Mitglied im Vorstand von AMCHA Israel, hat das Podium „Zukunft braucht Erinnerung – Möglichkeiten und Hindernisse der Erinnerung in Deutschland und Israel im Wandel der Jahrzehnte“, zusammen mit Elke Gryglewski vom Haus der Wannseekonferenz gestaltet.