Neues Spendenkonto ab dem 20.10.2014

Ab Montag den 20. Oktober 2014 hat AMCHA Deutschland e.V. ein neues Spendenkonto:

IBAN: DE90 5206 0410 0003 9113 65
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG

Unsere langjährige Hausbank, die Evangelische Darlehnsgenossenschaft (EDG) hat sich mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK) zur Evangelischen Bank eG zusammengeschlossen. Dadurch verändern sich ab dem 20. Oktober 2014 auch unsere Bankdaten.

Die Bank hat eine Übergangsfrist eingerichtet. Zahlungen an die bisherige Kontonummer bzw. IBAN werden bis zum 31.12.2015 automatisch umgeleitet. Das gilt auch für die Daueraufträge, die Sie eingerichtet haben. Lastschriftmandate, die Sie uns erteilt haben, bleiben davon unberührt. Hier müssen Sie nichts unternehmen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, so können Sie uns sehr gern unter der Telefonnummer 030 – 28 09 80 38 anrufen, oder Sie schreiben uns eine E-Mail an info@amcha.de.

Benefizveranstaltung zugunsten von AMCHA in Celle

Am 9. November 2014 wird in Celle im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ gezeigt. In ihrem Film porträtieren die Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior vier Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit.

Die Regisseurin Christa Spannbauer wird anwesend sein und zusammen mit Lukas Welz, dem Vorsitzenden von AMCHA Deutschland e.V., über den Film und die Situation der Überlebenden sprechen.

Ort: Celler Synagoge, Im Kreise 24, 29221 Celle
Termin: Sonntag, 9. November 2014, 19.00 Uhr
Grußwort: Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende
Referenten: Christa Spannbauer im Gespräch mit Lukas Welz, Vorsitzender AMCHA  Deutschland e.V., Berlin

Die Stadt Celle zeigt diesen Film gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V. und der Jüdischen Gemeinde Celle e.V. zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938.

Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Spenden zugunsten von AMCHA und die Hilfe für die Überlebenden des Holocaust gesammelt.

Tief durchatmen. Die Arbeit von AMCHA in gewaltvollen Zeiten

Im Fokus:  Sommer 2014.
 

Rechovot

Rechovot, südlich von Tel Aviv im August: Zirka 60 willensstarken Senioren im Alter von 76 bis 96 trotzen der Gefahr möglicher Raketenangriffe, um an einem Treffen im AMCHA-Zentrum teilzunehmen. Die Hilfsangebote von AMCHA sind für viele der Überlebenden unverzichtbar geworden, besonders in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Tammy Kahanov, Leiterin von AMCHA Rechovot. „Um mit der konstanten Angst während des Krieges umzugehen ist es wichtig, ihnen einen Alltag zu ermöglichen und sie nicht allein zu lassen.“

In einer Selbsterfahrungsübung sollen die Klienten lernen, besser mit der gewaltsamen Situation der vergangenen Wochen umzugehen. „Wir wollten uns weniger auf das sprechen konzentrieren, als darauf, jedem die Möglichkeit zu geben, der Fantasie freien Lauf zu lassen um Stress abzubauen“, erklärt Kahanov. Jedem Teilnehmer des Workshops wurde ein Ballon gegeben. Die Teilnehmenden sollten mit diesem Ballon eine Situation verbinden. Indem sie den Ballon durch tiefe Atemübungen aufbliesen, ihn mit allen Sinnen ertasteten und hin und her warfen, befreiten sie sich emotional und physisch von dem damit verbundenen Gefühl.

„Wegen des Krieges hatte ich keine Kindheit“, erzählt Shmuel der Gruppe. „Im Alter von vier Jahren war ich bereits im Konzentrationslager anstatt in einem Kindergarten. Ich habe nicht gespielt. Aber das Kind in mir habe ich nicht verloren. Ich liebe es zu spielen und meine Phantasie zu beflügeln, die mich in eine Kindheit versetzt, die ich nie hatte. Ich bin dankbar dafür, zu AMCHA kommen zu können. Besonders in dieser Zeit ist es so wichtig für mich hier zu sein, mit den anderen, einfach loslassen zu können und ich selbst zu sein.“

Tel Aviv

Auch Tel Aviv, die Metropole am Mittelmeer, wurde in den letzten Wochen aus dem Gazastreifen angegriffen. „Die Menschen sind müde, ängstlich und gestresst, aber sie sind auch entschlossen, versuchen, ihren Alltag so gut es geht zu gestalten“, erklärt Tali Rasner, Psychologin und Leiterin des AMCHA-Zentrums dort.

Kreativität und körperliche Aktivität haben dabei einen großen therapeutischen Nutzen. Jeden Tag versucht der AMCHA-Sozialclub mit Gruppengesprächen, Keramik-Kursen oder Yoga-Unterricht den Klienten Aktivitäten anzubieten, die ihnen einen Raum der Geborgenheit, für Zuversicht und gegen Einsamkeit, schaffen. „AMCHA ist ihr zweites Zuhause und viele sagen, dass sie nicht noch einmal ihre Heimat verlassen wollen oder sich verstecken möchten, wie sie es im Holocaust erleben mussten,“ so Rasner weiter.
Viele Überlebende aus dem Süden Israel hingegen mussten ihr Zuhause verlassen und sind zu Verwandten in Tel Aviv gezogen. AMCHA hat für sie die Türen geöffnet. „Wenn es Raketenalarm gibt, versammeln wir uns alle im Treppenhaus“, erzählt Rasner. „Für manche von ihnen werden schreckliche Erinnerungen an die Vergangenheit wach.“

Die 90-jährige Halina Ashkenazy Engelhard begann zu weinen, fühlte sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Bilder von israelischen Kindern, die in Bunker kauern mussten, und von palästinensischen Kindern, die starben, konnte sie nicht verarbeiten. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Blut. Kinder müssen in ihren eigenen Betten ohne Angst schlafen können.“

Jede Woche besuchen 180 Freiwillige Klienten von AMCHA in Tel Aviv und Umgebung. Über 2.000 Menschen erhalten dadurch Hilfe, gerade in schwierigen Zeiten. „Das wichtigste für sie ist, dass sie das Gefühl haben, dass es jemanden gibt, der sich um sie kümmert und heute auf sie achtet,“ sagt Yuval Dotan, Sozialarbeiter bei AMCHA. „Die stärkste Erfahrung vieler Überlebender ist, dass sie sich allein gelassen fühlten, dass ihnen niemand geholfen hat. AMCHA ist da, diese Lücke zu füllen.“

Hier können Sie zwei Artikel über die Situation bei AMCHA im Sommer 2014 lesen:

Die Holocaust-Überlebenden mit Fahrradhelmen

Sirenen und Raketen rütteln emotionale Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden wach

Erinnerungen an Noach Flug

Als Überlebender des Holocaust engagierte sich Noach Flug zwischen 1984 und 2011 unermüdlich für die Interessen der Überlebenden der Shoah und für die Verständigung zwischen Israel und Deutschland. Noach Flug starb am 11. August 2011 in Jerusalem. Bettina Schaefer hat in ihrem berührenden Buch „‚Ich bleibe Optimist, trotz allem.‘ Erinnerungen an Noach Flug“ Erinnerungen an den Weggefährten, Freund, Politiker und Familienmenschen Noach Flug, der viele Jahre im Vorstand von AMCHA Israel aktiv war, gesammelt.  Zu den Autoren zählen Dr. Martin Auerbach, klinischer Direktor von AMCHA und Stephan J. Kramer, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der AMCHA-Stiftung Deutschland.

Erschienen im Jetztzeit-Verlag, ISBN 9 783 9 8143894 9, 20 Euro, erhältlich im Buchhandel und als eBook.

 

Benfizveranstaltung zugunsten von AMCHA in Eberswalde

Am 23. September 2014 fand in Eberswalde eine Benefizveranstaltung zugunsten von AMCHA statt. Gezeigt wurde der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior. 30 Gäste fanden den Weg in das Museum von Eberswalde, unter ihnen auch der Bürgermeister der Stadt, Friedhelm Boginski.

„Eberswalde ist Mitglied bei AMCHA, weil wir die Erinnerung an die Shoah verknüpft sehen wollen mit einer aktiven Hilfe für die Manschen, die bis heute an den Folgen des Schreckens leiden. Wir tragen auch heute noch humanitäre Verantwortung, der mit der Errichtung von Gedenkorten allein nicht Genüge getan ist“, so Bürgermeister Friedhelm Boginski, der das Benefiz im Museum eröffnet hatte.

In seinem Grußwort hob er die Bedeutung hervor, die für ihn die Mitgliedschaft der Stadt Eberswalde bei AMCHA habe. Auch die Stadtverordneten hätten sich 2010 in bemerkenswerter Einmütigkeit für die Mitgliedschaft im AMCHA e.V.  ausgesprochen. Als Vertreter von AMCHA war Christian Krause nach Eberswalde gekommen, der Leiter der AMCHA-Geschäftsstelle. Er dankte dem Bürgermeister für den herzlichen Empfang und für das ganz besondere Engagement der Stadt für AMCHA und für die Überlebenden des Holocaust.

Nach der Filmvorführung sprach der Kulturamtsleiter von Eberswalde, Dr. Stefan Neubacher, mit der  Regisseurin Christa Spannbauer und mit Christian Krause über den Film und die Situation der Überlebenden.

Die Stadt Eberswalde ist seit 2011 Mitglied von Amcha Deutschland. Zuletzt wurde der Verein mit einer symbolischen Stiftungsaktion im Zusammenhang mit der Errichtung der Gedenkskulptur „Wachsen mit Erinnerung“ unterstützt. Das Schriftband daran erinnert an die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt. Seine Buchstaben und Worte haben die Eberswalderinnen und Eberswalder gespendet. Die Skulptur „Wachsen mit Erinnerung“ steht auf dem  Fundament der 1939 während der Novemberpogrome in Eberswalde zerstörten Synagoge hin. In ihrem Innenraum wachsen Bäume, die im Laufe der Jahre das Kuppeldach der Synagoge andeuten werden.

Hier finden Sie einen Bericht der Märkischen Oderzeitung über den Veranstaltungsabend.

 

 

 

 

Zum jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana

Wir wünschen allen Freunden und Förderern von AMCHA ein gesundes und friedliches neues Jahr und danken für Ihre wertvolle Unterstützung!

Wie wichtig diese Hilfe ist, haben die letzten Monate gezeigt, die durch Gewalt und Krieg geprägt waren. Viele der Holocaust-Überlebenden leiden unter Re-Traumatisierungen, sie fühlen mit den von Gewalt betroffenen Menschen in Israel und im Gazastreifen und müssen unter der ständigen Bedrohung von Frieden und Sicherheit leben.

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Marlen Maor

Von links: Marlen Maor, Leiterin von AMCHA Ashkelon, mit Lukas Welz.

Besonders wichtig sei die Arbeit von AMCHA in gewaltvollen Zeiten, hob Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., während einer Zeremonie zum jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana für Überlebende in Ashkelon hervor. „Darum danke ich der Leiterin von AMCHA Ashkelon, Marlen Maor, und dem ganzen Team für ihre außergewöhnliche Arbeit in den letzten Monaten. Anerkennung und Anteilnahme drückte er gegenüber den Überlebenden aus, die in Ashkelon schwierige Herausforderungen zu bewältigen haben. „Ihnen allen wünsche ich im neuen Jahr 5775 vor allem Gesundheit und Frieden – Shana tova!“

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Shaul Spielmann

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit dem in Wien geborenen Shaul Spielmann.

Seit fünf Jahren arbeitet AMCHA in der südisraelischen Stadt Ashkelon nahe dem Gazastreifen. Seither suchen immer mehr Überlebende Hilfe bei AMCHA. Einer von ihnen ist Shaul Spielmann, der in Wien geboren wurde. Lange Jahre konnte er nicht über seine Erlebnisse in Theresienstadt und Auschwitz sprechen. Die Therapie bei AMCHA hat ihm geholfen, zurück ins soziale Leben zu finden. Erst vor wenigen Wochen besuchte er mit seiner Familie die Orte seines Leidens, eine Reise, die er vor wenigen Jahren noch nicht hätte machen können.

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Reuven Reiter

Von links: Lukas Welz mit Reuven Reiter, geboren in Chemnitz, der seit vielen Jahren mit AMCHA verbunden ist.

 

„Mut zum Leben“

Die Städte Celle und Eberswalde engagieren sich seit Jahren auf herausragende Weise für AMCHA und die Überlebenden des Holocaust. In den kommenden Monaten wird in beiden Städten im Rahmen von Benefizveranstaltungen zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior zu sehen sein.

Der Film porträtiert vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit. Nie wieder soll ein Mensch erleben müssen, was ihnen widerfahren ist – dafür treten Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg bis ins hohe Alter ein.

Esther Bejarano, Sängerin, 88, Hamburg:
„Wenn ich das schon überlebt habe, dann muss ich doch wieder anfangen zu leben und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Yehuda Bacon, Maler, 83, Jerusalem:
„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“

Éva Pusztai-Fahidi, Autorin, 87, Budapest:
„In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist die Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie teuer das Leben ist.“

Greta Klingsberg, Sängerin, 83, Jerusalem:
„Überlebt zu haben, ist noch keine Auszeichnung. Es kommt doch darauf an, was man daraus macht.“

Sie erfuhren die Unmenschlichkeit am eigenen Leibe und wurden zu Lehrern der Menschlichkeit. Sie haben Auschwitz überlebt und machen Mut zum Leben.

Am 23. Spetember in Eberswalde und am 9. November in Celle wird jeweils die Regisseurin Christa Spannbauer anwesend sein und ihren besonderen Film vorstellen.

Auf beide Veranstaltungen werden wir auch noch einmal im Einzelnen hinweisen.

Die Holocaust-Überlebenden mit Fahrradhelmen

Artikel von Lily Galili in i24news vom 29. Juli 2014

Sie müssen mit vergangenen Traumata und neuen Raketen gleichzeitig fertig werden –mit einem entscheidenden Unterschied. Nachdem die etwa hundertste Rakete auf die Stadt Ashkelon abgefeuert worden war, entschied sich ein Sozialarbeiter von AMCHA, einer israelischen Organisation zur Betreuung von Holocaust-Überlebenden, ein Ehepaar zu besuchen, das er gut kannte und das den Holocaust überlebt hatte. Der erfahrene Mitarbeiter war überrascht von dem, was er sah, als sich die Tür ihrer bescheidenen Wohnung öffnete. Schließlich hatten die beiden einige Tage und wenige Raketen zuvor versichert, dass es ihnen gut ginge und sie keine Hilfe benötigten. Als er jedoch die Wohnung betrat, sah er das Pärchen starr auf dem Sofa sitzen, auf dem Kopf Fahrradhelme. Fahrradhelme zur Abwehr von Raketen. Das war die Lehre, die sie aus dem Holocaust, den sie als Kinder überlebt hatten, gezogen haben: Du bist auf dich allein gestellt, also tue etwas. So hatten sie sich diese Helme gekauft.

Es ist schwer für jeden Israeli in einem von Raketen beschossenen Land zu leben, für die Alten und Gebrechlichen ist es unter diesen Umständen jedoch noch schwerer. Alt sein bedeutet oft, allein zu sein. Das macht das Rennen zum Bunker innerhalb von 15 bis 30 Sekunden fast unmöglich, und wenn man auf der Straße ist, kann man sich kaum auf den Boden legen und den Kopf mit den Händen schützen. Die Not wird erdrückend für diejenigen, denen sich Traumata, seelische Narben und Ängste in ihren Körper und ihre Seele durch den Holocaust eingebrannt haben. Die über 2.000 Raketen, die in den vergangenen drei Wochen auf Israel gefeuert wurden, 200 davon auf Ashkelon, lösen post-traumatische Belastungsstörungen aus.

Die 400 Überlebenden, die in Ashkelon leben, einer Stadt, zu deren ersten Bewohnern Holocaust-Überlebende gehörten, sehen den AMCHA-Sozialclub oftmals als ihr erstes Zuhause an. Nun brauchen Sie es mehr als zuvor. Da aber das hübsche alte Gebäude, in dem sie sich regelmäßig treffen, keinen Bunker hat, sind sie gezwungen, von Ort zu Ort zu ziehen, oftmals unter Sirenen und Raketenalarm. Aber sie machen das. Das Bedürfnis nach Zusammensein ist viel stärker als ihre Angst. Angst spielt keine große Rolle. “Wir sind über ihre Stärke erstaunt”, sagt Marlen Maor, Psychologin und Leiterin von AMCHA Ashkelon. „Sie teilen diese unglaubliche Stärke miteinander. Ein Soldat aus Ashkelon, Jordan Ben-Simon, wurde in diesem Krieg getötet. Seine Eltern kamen aus Frankreich, um Schiwe (die traditionell jüdische siebentägige Trauerzeit) in einem lokalen Hotel zu sitzen. Eine Gruppe von Überlebenden ist dort hingegangen, um ihr Beileid auszudrücken. Sie wissen, was es bedeutet, allein zu sein.“

Sie wissen auch viel über andere Dinge. Manche sagen, die neue Welle des Antisemitismus in Europa ängstige sie mehr als die Hamas. Gegen die Hamas fühlen sie sich geschützt; als Kinder waren sie aber nicht geschützt vor den Folgen des Antisemitismus. Diese Erfahrung hat sie auch gelehrt, sich nicht auf die internationale Gemeinschaft zu verlassen. „Ich habe die Welt im Zweiten Weltkrieg gesehen“, sagt Helena Reis, eine Überlebende aus Rumänien. „Traut ihr jetzt nicht.“Für Holocaust-Überlebende ist dieser Kampf der gleiche, wenn auch mit einem kleinen Unterschied. Ein Überlebender fasst es in einem einfachen Satz zusammen: „Während des Holocaust wurde ich gejagt; heute habe ich mein Land und eine Armee und Enkelkinder, die mich beschützen.“

Das Motiv der Enkelkinder und der Armee, die sie beschütze, taucht auch bei einer längeren Unterhaltung mit einer Gruppe Überlebender im AMCHA-Zentrum Tel Aviv auf. Eine frühmorgendliche Diskussion in dem fröhlichen Haus im Herzen der Stadt klingt wie eine geheime Sitzung des Sicherheitskabinetts. Die Überlebenden liefern sehr informierte und überzeugte strategische Analysen. Die meisten waren Kinder während des Holocaust und haben sich ihr Leben in Israel aufgebaut. Oftmals brachte das neue Leben neue Traumata. Hanoch Lerer, der 1948 als Waisenkind nach Israel kam, spricht lieber über die drei Kriege, in denen er kämpfte, als über den Krieg, den er teilweise in einem Loch versteckt in Polen und teilweise als Waisenkind in Russland erlebte. Schwer verletzt im arabisch-israelischen Krieg von 1973 sagt er heute, Raketen könnten ihn nicht mehr ängstigen; es sind die gefallenen Soldaten, die ihm das Gefühl geben, als würden Organe seines Körpers, „eines nach dem anderen“, entfernt.

Yehudit Moskowitz hat als kleines Kind vier Jahre in Konzentrationslagern in der Ukraine überlebt. Ihre Hauptsorge heute ist ihre Tochter, die im Yom Kippur-Krieg 1973, wo sie als Soldatin diente, traumatisiert wurde. „Heute bin ich ihre Angstbekämpfungspille“, sagt die lebhafte Frau. „Wenn sie über die Tunnel von Gaza nach Israel sprechen, die die Hamas gegraben hat, sagen sie, wir könnten in 24 Stunden ausgelöscht werden. Es ist wie unter Hitler.“

Aber heute haben sie einen Staat und AMCHA, und dies ist ein großer Unterschied. „Das Wichtigste für sie ist, dass sie fühlen und wissen, dass da jemand ist, der sich um sie kümmert,“ sagt Yuval Dotan, klinischer Sozialarbeiter bei AMCHA Tel Aviv. „Die eindrücklichste Erfahrung von Holocaust-Überlebenden ist die, dass niemand für sie da war, niemand, der danach schaute, was mit ihnen geschah. Wir sind hier, um diese Leerstelle zu füllen.“

Ein weiterer interessanter Aspekt ist nicht nur, wie Überlebende gesehen werden, sondern auch, wie sie den anderen sehen. Manche sagen, dass sie nach allem, was sie erlebten, keine Empathie mehr für die andere Seite empfinden könnten. Aber Tzipora Feller, eine Auschwitz-Überlebende, sagt, sie fühle mit den unschuldigen Bewohnern von Gaza: „Es ist schwer für mich ihre zerstörten Häuser und ihre Beerdigungen zu sehen“, sagt sie.

“Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit beiden Seiten zu sympathisieren; sie spüren die Notwendigkeit, sich zu entscheiden“, sagt Tali Rasner, Leiterin von AMCHA Tel Aviv. „Aber vor nur einer Woche, kam eine 90-jährige Überlebende zu mir, um mit mir über die Bilder von Kindern in Gaza, die unter Feuer und Rauch fliehen müssen, zu sprechen. Sie erinnerten sie an ihre eigene Kindheit. Menschen unterscheiden sich in ihren Reaktionen, aber die Überlebenden haben eine Gemeinsamkeit – ihre unglaubliche Stärke.“

Sirenen und Raketen rütteln emotionale Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden wach

Artikel von Lidar Grave-Lazi in der Jerusalem Post vom 20. Juli 2014

AMCHA baut seine Hilfsangebote während des gegenwärtigen Konflikts aus um Holocaust-Überlebenden bei der Bewältigung von Traumata und Stress zu helfen.

Wenn der Raketenalarm ertönt, sitzt Halina Ashkenazy-Engelhard, eine 90-jährige Holocaust-Überlebende, auf ihrer Couch und blickt aus dem Fenster auf die Bäume, die ihr Zuhause in einem Haus für betreutes Wohnen im Norden von Tel Aviv umgeben. “Ich habe Angst davor, in den Bunker zu gehen. Es erinnert mich an die Zeit in den unterirdischen Bunkern, die ich während des Aufstandes im Warschauer Ghetto verbracht hatte; es erinnert mich an Ersticken und Tod“, sagt sie.

Für Ashkenazy-Engelhard, wie für viele andere Holocaust-Überlebende, wecken die aktuelle Gewalteskalation, die Sirenen und die Raketenangriffe Erinnerungen an die Gräueltaten und die Hilflosigkeit, die sie während des Holocaust erleben mussten. „Es kommt alles zurück, wenn ich den Knall und die Sirenen höre, es erinnert mich an Warschau und Berlin und die Bombardierungen, die wir ertragen mussten“, berichtet sie. Vor zwei Tagen, eine Woche nachdem die israelische Militäroperation Protective Edge startete, begann sie schreckliche Albträume zu bekommen – über was genau, will oder kann sie nicht sagen. Die Bilder von israelischen Kindern, die in Bunker kauern mussten, und von palästinensischen Kindern, die starben, konnte sie nicht verarbeiten. „Ich bin einfach zusammengebrochen, ich war immer stark, aber wegen irgendeines Grundes hatte ich einen emotionalen Zusammenbruch“, erzählt sie.

Ashkenazy-Engelhard wusste, wo sie Hilfe finden würde: bei AMCHA, dem nationalen israelischen Zentrum zur psychosozialen Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen. „Ich ging zu AMCHA und brach einfach weinend zusammen,“ sagt sie. „Alles, was ich [während des Holocaust] erlebt hatte, ist stets lebendig in meiner Seele und deshalb reagiere ich auf menschliches Leid sehr mitfühlend.“

Seit der Gründung im Jahr 1987 hat die zunächst in Jerusalem ansässige Organisation mittlerweile 14 Zentren im gesamten Land aufgebaut, die Psychotherapien und soziale Hilfe für Holocaust-Überlebende anbieten und Begegnungen mit Jugendlichen organisieren. Die Organisation berichtet, dass während des gegenwärtigen Konflikts vermehrt Angst- und erhöhte Stresszustände unter Holocaust-Überlebenden im Süden Israels und im gesamten Land festgestellt werden können und hat ihre Hilfsangebote entsprechend verstärkt. “Viele der Holocaust-Überlebenden erleben eine sogenannte Re-Traumatisierung“, erklärt Dr. Martin Auerbach, nationaler klinischer Direktor von AMCHA, gegenüber der Jerusalem Post. „Wenn jemand durch eine neue gegenwärtige traumatische Erfahrung geht, kann dies traumatische Erinnerungen verstärken, vor allem, wenn sie aus der Kindheit stammen. Diese gegenwärtigen Erfahrungen sind dann Auslöser für die Erinnerung an vergangene traumatische Situationen und können für die Menschen sehr beängstigend sein,“ sagt er.

Für Auerbach ist es aufgrund der derzeitigen Situation nicht überraschend, dass Holocaust-Überlebende verstärkt Ängste, Schlafprobleme, Albträume und Erinnerungen an vergangene Traumata erfahren. “Dies bedeutet nicht, dass sie damit nicht umgehen können, interessanterweise funktionieren sie unter der angespannten Situation wie viele andere auch”, sagt er. Er erklärt, dass Holocaust-Überlebende wüssten, was es bedeute zu leiden, sie seien besonders sensibel gegenüber dem Leiden der Opfer auf beiden Seiten.

“In Israel sind die Kinder verängstigt, die Menschen auf der anderen Seite werden bombardiert und die Holocaust-Überlebenden haben Empathie für beide Seiten,” sagt er. Je länger diese Kriege sich wiederholen, desto mehr fragten sich die Überlebenden, was ihre Generation den nachfolgenden Generationen hinterlasse, so Auerbach. “Für viele von ihnen bedeutete die Einwanderung nach Israel eine Verbesserung der Welt, in vielerlei Hinsicht gab es eine große Hoffnung, dass aus der extremen Tragödie etwas Positives erwachsen könne.“

Viele der Überlebenden, sagt Auerbach, hätten keine existenziellen Ängste, aber machten sich Sorgen um die Existenz des jüdischen Staates und der israelischen Gesellschaft sowie um ihre Kinder und Enkelkinder. Zum Beispiel gingen viele der Überlebenden, die er in Sderot trifft, nicht in die Bunker, wenn die Sirenen heulen, da sie sich ungeachtet ihres eigenen Überlebens mehr Sorgen um die nächsten Generationen machten. „Meine Enkelkinder leben im Süden und ich kann nicht schlafen, da ich an sie und die Soldaten denken muss. Warum muss sich das, was ich im Holocaust erlebte, nun für die vierte und fünfte Generation wiederholen?“, fragt Zipora Peler, eine 85-jährige Holocaust-Überlebende aus Tel Aviv.

Seit Ausbruch des Konflikts hat AMCHA seine Hilfsangebote für die etwa 16.000 Holocaust-Überlebenden, denen regelmäßig geholfen wird, weiter ausgebaut, sagt Auerbach. Über 900 Freiwillige und Therapeuten arbeiten in den Sozialclubs an speziellen Stressverringerungs- und Erholungsprogrammen, bieten zusätzliche Therapiestunden in den AMCHA-Zentren und bei den Klienten zu Hause an oder führen Telefonate mit Klienten, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihr Zuhause zu verlassen. „Für jeden ist es schwer, allein zu sein, nicht nur für Holocaust-Überlebende. Wenn Sie helfen wollen, denken Sie an jemanden, der alleine ist, und bieten Sie Nähe und Empathie an“, sagt Auerbach.

Für die Holocaust-Überlebende Ashkenazy-Engelhard hat das Wort amcha („Dein Volk“) eine tiefere Bedeutung. “Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich das Wort amcha hörte. Es war Anfang Mai 1945 und ich kam gerade erst aus einem der Arbeitslager nach Warschau zurück, als ich zwei Männer Jiddisch sprechen hörte, Ich war so erstaunt, dass ich nicht aufhören konnte, sie anzustarren. Einer von ihnen drehte sich schließlich zu mir um und fragte Amcha?“ Sie erzählt, dass sie keine Ahnung hatte, was das Wort bedeutete, bis ihr Reisebegleiter ihr erklärte, das sei ein Codewort unter Juden, um einander zu erkennen.

“Jahre später erst bin ich auf AMCHA in Israel gestoßen“, sagt sie. „Diese Organisation bedeutet so viel mehr, sie rettet Leben. Viele von uns haben keinen anderen Ort, an den sie gehen könnten. Unsere Kinder sind groß geworden und unsere Enkelkinder kümmern sich nicht länger um uns. AMCHA ist wie ein zweites Zuhause, mit Brüdern und Schwestern, die eine Vergangenheit teilen, die auch meine ist und mit denen ich sprechen kann.“

Bleibt Hitlers „Mein Kampf“ verboten?

Im kommenden Jahr laufen die Urheberrechte für Hitlers rassistisches Manifest „Mein Kampf“ aus. Das Pamphlet war im Eher Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP, erschienen. Als Organisation der NSDAP wurde auch der Verlag 1945 verboten. Die Rechtsnachfolge trat der Freistaat Bayern an, bei dem seither auch die Rechte an Hitlers Machwerk liegen und der seitdem eine Veröffentlichung in Deutschland untersagt. 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen diese nun aus. Ab dem 1. Januar 2016 stünde es dann – aus rein urheberrechtlicher Sicht – jedem frei, das Buch zu verlegen und die antisemitische Hetze zu Geld zu machen.
Auf Antrag Bayerns diskutierte am vergangenen Donnerstag die Justizministerkonferenz die Frage, wie mit diesem unseligen Werk zukünftig umgegangen werden soll. „Wir sind es den Opfern des Holocausts und ihren Angehörigen schuldig, alles uns Mögliche zu tun, um eine Vervielfältigung und Verbreitung dieser ideologischen Hetzschrift zu verhindern“, so Bayerns Justizminister Winfried Bausback.
Nach derzeitigem Stand werden ab 2016 wohl die Gerichte über ein Verbot entscheiden. Aus dem Bundesjustizministerium heißt es, diese sollten „im Einzelfall prüfen“, ob eine Veröffentlichung den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle oder wissenschaftlichen Mehrwert biete.