„Mut zum Leben“

Die Städte Celle und Eberswalde engagieren sich seit Jahren auf herausragende Weise für AMCHA und die Überlebenden des Holocaust. In den kommenden Monaten wird in beiden Städten im Rahmen von Benefizveranstaltungen zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior zu sehen sein.

Der Film porträtiert vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit. Nie wieder soll ein Mensch erleben müssen, was ihnen widerfahren ist – dafür treten Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg bis ins hohe Alter ein.

Esther Bejarano, Sängerin, 88, Hamburg:
„Wenn ich das schon überlebt habe, dann muss ich doch wieder anfangen zu leben und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Yehuda Bacon, Maler, 83, Jerusalem:
„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“

Éva Pusztai-Fahidi, Autorin, 87, Budapest:
„In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist die Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie teuer das Leben ist.“

Greta Klingsberg, Sängerin, 83, Jerusalem:
„Überlebt zu haben, ist noch keine Auszeichnung. Es kommt doch darauf an, was man daraus macht.“

Sie erfuhren die Unmenschlichkeit am eigenen Leibe und wurden zu Lehrern der Menschlichkeit. Sie haben Auschwitz überlebt und machen Mut zum Leben.

Am 23. Spetember in Eberswalde und am 9. November in Celle wird jeweils die Regisseurin Christa Spannbauer anwesend sein und ihren besonderen Film vorstellen.

Auf beide Veranstaltungen werden wir auch noch einmal im Einzelnen hinweisen.

Die Holocaust-Überlebenden mit Fahrradhelmen

Artikel von Lily Galili in i24news vom 29. Juli 2014

Sie müssen mit vergangenen Traumata und neuen Raketen gleichzeitig fertig werden –mit einem entscheidenden Unterschied. Nachdem die etwa hundertste Rakete auf die Stadt Ashkelon abgefeuert worden war, entschied sich ein Sozialarbeiter von AMCHA, einer israelischen Organisation zur Betreuung von Holocaust-Überlebenden, ein Ehepaar zu besuchen, das er gut kannte und das den Holocaust überlebt hatte. Der erfahrene Mitarbeiter war überrascht von dem, was er sah, als sich die Tür ihrer bescheidenen Wohnung öffnete. Schließlich hatten die beiden einige Tage und wenige Raketen zuvor versichert, dass es ihnen gut ginge und sie keine Hilfe benötigten. Als er jedoch die Wohnung betrat, sah er das Pärchen starr auf dem Sofa sitzen, auf dem Kopf Fahrradhelme. Fahrradhelme zur Abwehr von Raketen. Das war die Lehre, die sie aus dem Holocaust, den sie als Kinder überlebt hatten, gezogen haben: Du bist auf dich allein gestellt, also tue etwas. So hatten sie sich diese Helme gekauft.

Es ist schwer für jeden Israeli in einem von Raketen beschossenen Land zu leben, für die Alten und Gebrechlichen ist es unter diesen Umständen jedoch noch schwerer. Alt sein bedeutet oft, allein zu sein. Das macht das Rennen zum Bunker innerhalb von 15 bis 30 Sekunden fast unmöglich, und wenn man auf der Straße ist, kann man sich kaum auf den Boden legen und den Kopf mit den Händen schützen. Die Not wird erdrückend für diejenigen, denen sich Traumata, seelische Narben und Ängste in ihren Körper und ihre Seele durch den Holocaust eingebrannt haben. Die über 2.000 Raketen, die in den vergangenen drei Wochen auf Israel gefeuert wurden, 200 davon auf Ashkelon, lösen post-traumatische Belastungsstörungen aus.

Die 400 Überlebenden, die in Ashkelon leben, einer Stadt, zu deren ersten Bewohnern Holocaust-Überlebende gehörten, sehen den AMCHA-Sozialclub oftmals als ihr erstes Zuhause an. Nun brauchen Sie es mehr als zuvor. Da aber das hübsche alte Gebäude, in dem sie sich regelmäßig treffen, keinen Bunker hat, sind sie gezwungen, von Ort zu Ort zu ziehen, oftmals unter Sirenen und Raketenalarm. Aber sie machen das. Das Bedürfnis nach Zusammensein ist viel stärker als ihre Angst. Angst spielt keine große Rolle. “Wir sind über ihre Stärke erstaunt”, sagt Marlen Maor, Psychologin und Leiterin von AMCHA Ashkelon. „Sie teilen diese unglaubliche Stärke miteinander. Ein Soldat aus Ashkelon, Jordan Ben-Simon, wurde in diesem Krieg getötet. Seine Eltern kamen aus Frankreich, um Schiwe (die traditionell jüdische siebentägige Trauerzeit) in einem lokalen Hotel zu sitzen. Eine Gruppe von Überlebenden ist dort hingegangen, um ihr Beileid auszudrücken. Sie wissen, was es bedeutet, allein zu sein.“

Sie wissen auch viel über andere Dinge. Manche sagen, die neue Welle des Antisemitismus in Europa ängstige sie mehr als die Hamas. Gegen die Hamas fühlen sie sich geschützt; als Kinder waren sie aber nicht geschützt vor den Folgen des Antisemitismus. Diese Erfahrung hat sie auch gelehrt, sich nicht auf die internationale Gemeinschaft zu verlassen. „Ich habe die Welt im Zweiten Weltkrieg gesehen“, sagt Helena Reis, eine Überlebende aus Rumänien. „Traut ihr jetzt nicht.“Für Holocaust-Überlebende ist dieser Kampf der gleiche, wenn auch mit einem kleinen Unterschied. Ein Überlebender fasst es in einem einfachen Satz zusammen: „Während des Holocaust wurde ich gejagt; heute habe ich mein Land und eine Armee und Enkelkinder, die mich beschützen.“

Das Motiv der Enkelkinder und der Armee, die sie beschütze, taucht auch bei einer längeren Unterhaltung mit einer Gruppe Überlebender im AMCHA-Zentrum Tel Aviv auf. Eine frühmorgendliche Diskussion in dem fröhlichen Haus im Herzen der Stadt klingt wie eine geheime Sitzung des Sicherheitskabinetts. Die Überlebenden liefern sehr informierte und überzeugte strategische Analysen. Die meisten waren Kinder während des Holocaust und haben sich ihr Leben in Israel aufgebaut. Oftmals brachte das neue Leben neue Traumata. Hanoch Lerer, der 1948 als Waisenkind nach Israel kam, spricht lieber über die drei Kriege, in denen er kämpfte, als über den Krieg, den er teilweise in einem Loch versteckt in Polen und teilweise als Waisenkind in Russland erlebte. Schwer verletzt im arabisch-israelischen Krieg von 1973 sagt er heute, Raketen könnten ihn nicht mehr ängstigen; es sind die gefallenen Soldaten, die ihm das Gefühl geben, als würden Organe seines Körpers, „eines nach dem anderen“, entfernt.

Yehudit Moskowitz hat als kleines Kind vier Jahre in Konzentrationslagern in der Ukraine überlebt. Ihre Hauptsorge heute ist ihre Tochter, die im Yom Kippur-Krieg 1973, wo sie als Soldatin diente, traumatisiert wurde. „Heute bin ich ihre Angstbekämpfungspille“, sagt die lebhafte Frau. „Wenn sie über die Tunnel von Gaza nach Israel sprechen, die die Hamas gegraben hat, sagen sie, wir könnten in 24 Stunden ausgelöscht werden. Es ist wie unter Hitler.“

Aber heute haben sie einen Staat und AMCHA, und dies ist ein großer Unterschied. „Das Wichtigste für sie ist, dass sie fühlen und wissen, dass da jemand ist, der sich um sie kümmert,“ sagt Yuval Dotan, klinischer Sozialarbeiter bei AMCHA Tel Aviv. „Die eindrücklichste Erfahrung von Holocaust-Überlebenden ist die, dass niemand für sie da war, niemand, der danach schaute, was mit ihnen geschah. Wir sind hier, um diese Leerstelle zu füllen.“

Ein weiterer interessanter Aspekt ist nicht nur, wie Überlebende gesehen werden, sondern auch, wie sie den anderen sehen. Manche sagen, dass sie nach allem, was sie erlebten, keine Empathie mehr für die andere Seite empfinden könnten. Aber Tzipora Feller, eine Auschwitz-Überlebende, sagt, sie fühle mit den unschuldigen Bewohnern von Gaza: „Es ist schwer für mich ihre zerstörten Häuser und ihre Beerdigungen zu sehen“, sagt sie.

“Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit beiden Seiten zu sympathisieren; sie spüren die Notwendigkeit, sich zu entscheiden“, sagt Tali Rasner, Leiterin von AMCHA Tel Aviv. „Aber vor nur einer Woche, kam eine 90-jährige Überlebende zu mir, um mit mir über die Bilder von Kindern in Gaza, die unter Feuer und Rauch fliehen müssen, zu sprechen. Sie erinnerten sie an ihre eigene Kindheit. Menschen unterscheiden sich in ihren Reaktionen, aber die Überlebenden haben eine Gemeinsamkeit – ihre unglaubliche Stärke.“

Sirenen und Raketen rütteln emotionale Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden wach

Artikel von Lidar Grave-Lazi in der Jerusalem Post vom 20. Juli 2014

AMCHA baut seine Hilfsangebote während des gegenwärtigen Konflikts aus um Holocaust-Überlebenden bei der Bewältigung von Traumata und Stress zu helfen.

Wenn der Raketenalarm ertönt, sitzt Halina Ashkenazy-Engelhard, eine 90-jährige Holocaust-Überlebende, auf ihrer Couch und blickt aus dem Fenster auf die Bäume, die ihr Zuhause in einem Haus für betreutes Wohnen im Norden von Tel Aviv umgeben. “Ich habe Angst davor, in den Bunker zu gehen. Es erinnert mich an die Zeit in den unterirdischen Bunkern, die ich während des Aufstandes im Warschauer Ghetto verbracht hatte; es erinnert mich an Ersticken und Tod“, sagt sie.

Für Ashkenazy-Engelhard, wie für viele andere Holocaust-Überlebende, wecken die aktuelle Gewalteskalation, die Sirenen und die Raketenangriffe Erinnerungen an die Gräueltaten und die Hilflosigkeit, die sie während des Holocaust erleben mussten. „Es kommt alles zurück, wenn ich den Knall und die Sirenen höre, es erinnert mich an Warschau und Berlin und die Bombardierungen, die wir ertragen mussten“, berichtet sie. Vor zwei Tagen, eine Woche nachdem die israelische Militäroperation Protective Edge startete, begann sie schreckliche Albträume zu bekommen – über was genau, will oder kann sie nicht sagen. Die Bilder von israelischen Kindern, die in Bunker kauern mussten, und von palästinensischen Kindern, die starben, konnte sie nicht verarbeiten. „Ich bin einfach zusammengebrochen, ich war immer stark, aber wegen irgendeines Grundes hatte ich einen emotionalen Zusammenbruch“, erzählt sie.

Ashkenazy-Engelhard wusste, wo sie Hilfe finden würde: bei AMCHA, dem nationalen israelischen Zentrum zur psychosozialen Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen. „Ich ging zu AMCHA und brach einfach weinend zusammen,“ sagt sie. „Alles, was ich [während des Holocaust] erlebt hatte, ist stets lebendig in meiner Seele und deshalb reagiere ich auf menschliches Leid sehr mitfühlend.“

Seit der Gründung im Jahr 1987 hat die zunächst in Jerusalem ansässige Organisation mittlerweile 14 Zentren im gesamten Land aufgebaut, die Psychotherapien und soziale Hilfe für Holocaust-Überlebende anbieten und Begegnungen mit Jugendlichen organisieren. Die Organisation berichtet, dass während des gegenwärtigen Konflikts vermehrt Angst- und erhöhte Stresszustände unter Holocaust-Überlebenden im Süden Israels und im gesamten Land festgestellt werden können und hat ihre Hilfsangebote entsprechend verstärkt. “Viele der Holocaust-Überlebenden erleben eine sogenannte Re-Traumatisierung“, erklärt Dr. Martin Auerbach, nationaler klinischer Direktor von AMCHA, gegenüber der Jerusalem Post. „Wenn jemand durch eine neue gegenwärtige traumatische Erfahrung geht, kann dies traumatische Erinnerungen verstärken, vor allem, wenn sie aus der Kindheit stammen. Diese gegenwärtigen Erfahrungen sind dann Auslöser für die Erinnerung an vergangene traumatische Situationen und können für die Menschen sehr beängstigend sein,“ sagt er.

Für Auerbach ist es aufgrund der derzeitigen Situation nicht überraschend, dass Holocaust-Überlebende verstärkt Ängste, Schlafprobleme, Albträume und Erinnerungen an vergangene Traumata erfahren. “Dies bedeutet nicht, dass sie damit nicht umgehen können, interessanterweise funktionieren sie unter der angespannten Situation wie viele andere auch”, sagt er. Er erklärt, dass Holocaust-Überlebende wüssten, was es bedeute zu leiden, sie seien besonders sensibel gegenüber dem Leiden der Opfer auf beiden Seiten.

“In Israel sind die Kinder verängstigt, die Menschen auf der anderen Seite werden bombardiert und die Holocaust-Überlebenden haben Empathie für beide Seiten,” sagt er. Je länger diese Kriege sich wiederholen, desto mehr fragten sich die Überlebenden, was ihre Generation den nachfolgenden Generationen hinterlasse, so Auerbach. “Für viele von ihnen bedeutete die Einwanderung nach Israel eine Verbesserung der Welt, in vielerlei Hinsicht gab es eine große Hoffnung, dass aus der extremen Tragödie etwas Positives erwachsen könne.“

Viele der Überlebenden, sagt Auerbach, hätten keine existenziellen Ängste, aber machten sich Sorgen um die Existenz des jüdischen Staates und der israelischen Gesellschaft sowie um ihre Kinder und Enkelkinder. Zum Beispiel gingen viele der Überlebenden, die er in Sderot trifft, nicht in die Bunker, wenn die Sirenen heulen, da sie sich ungeachtet ihres eigenen Überlebens mehr Sorgen um die nächsten Generationen machten. „Meine Enkelkinder leben im Süden und ich kann nicht schlafen, da ich an sie und die Soldaten denken muss. Warum muss sich das, was ich im Holocaust erlebte, nun für die vierte und fünfte Generation wiederholen?“, fragt Zipora Peler, eine 85-jährige Holocaust-Überlebende aus Tel Aviv.

Seit Ausbruch des Konflikts hat AMCHA seine Hilfsangebote für die etwa 16.000 Holocaust-Überlebenden, denen regelmäßig geholfen wird, weiter ausgebaut, sagt Auerbach. Über 900 Freiwillige und Therapeuten arbeiten in den Sozialclubs an speziellen Stressverringerungs- und Erholungsprogrammen, bieten zusätzliche Therapiestunden in den AMCHA-Zentren und bei den Klienten zu Hause an oder führen Telefonate mit Klienten, die nicht bereit oder in der Lage sind, ihr Zuhause zu verlassen. „Für jeden ist es schwer, allein zu sein, nicht nur für Holocaust-Überlebende. Wenn Sie helfen wollen, denken Sie an jemanden, der alleine ist, und bieten Sie Nähe und Empathie an“, sagt Auerbach.

Für die Holocaust-Überlebende Ashkenazy-Engelhard hat das Wort amcha („Dein Volk“) eine tiefere Bedeutung. “Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich das Wort amcha hörte. Es war Anfang Mai 1945 und ich kam gerade erst aus einem der Arbeitslager nach Warschau zurück, als ich zwei Männer Jiddisch sprechen hörte, Ich war so erstaunt, dass ich nicht aufhören konnte, sie anzustarren. Einer von ihnen drehte sich schließlich zu mir um und fragte Amcha?“ Sie erzählt, dass sie keine Ahnung hatte, was das Wort bedeutete, bis ihr Reisebegleiter ihr erklärte, das sei ein Codewort unter Juden, um einander zu erkennen.

“Jahre später erst bin ich auf AMCHA in Israel gestoßen“, sagt sie. „Diese Organisation bedeutet so viel mehr, sie rettet Leben. Viele von uns haben keinen anderen Ort, an den sie gehen könnten. Unsere Kinder sind groß geworden und unsere Enkelkinder kümmern sich nicht länger um uns. AMCHA ist wie ein zweites Zuhause, mit Brüdern und Schwestern, die eine Vergangenheit teilen, die auch meine ist und mit denen ich sprechen kann.“

Bleibt Hitlers „Mein Kampf“ verboten?

Im kommenden Jahr laufen die Urheberrechte für Hitlers rassistisches Manifest „Mein Kampf“ aus. Das Pamphlet war im Eher Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP, erschienen. Als Organisation der NSDAP wurde auch der Verlag 1945 verboten. Die Rechtsnachfolge trat der Freistaat Bayern an, bei dem seither auch die Rechte an Hitlers Machwerk liegen und der seitdem eine Veröffentlichung in Deutschland untersagt. 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen diese nun aus. Ab dem 1. Januar 2016 stünde es dann – aus rein urheberrechtlicher Sicht – jedem frei, das Buch zu verlegen und die antisemitische Hetze zu Geld zu machen.
Auf Antrag Bayerns diskutierte am vergangenen Donnerstag die Justizministerkonferenz die Frage, wie mit diesem unseligen Werk zukünftig umgegangen werden soll. „Wir sind es den Opfern des Holocausts und ihren Angehörigen schuldig, alles uns Mögliche zu tun, um eine Vervielfältigung und Verbreitung dieser ideologischen Hetzschrift zu verhindern“, so Bayerns Justizminister Winfried Bausback.
Nach derzeitigem Stand werden ab 2016 wohl die Gerichte über ein Verbot entscheiden. Aus dem Bundesjustizministerium heißt es, diese sollten „im Einzelfall prüfen“, ob eine Veröffentlichung den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle oder wissenschaftlichen Mehrwert biete.

„Die Hoffnung mag die Verzweiflung (…) überwinden“

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat Hans-Jochen Vogel, Gründungsmitglied von AMCHA Deutschland e.V. in der Bundesrepublik Deutschland und Mitglied im Ehrenrat mit der Ohel-Jakob-Medaille für sein herausragendes Engagement bei der Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden geehrt. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt München, Bundesminister und SPD-Vorsitzende tritt seit Jahrzehnten für Entschädigungszahlungen an Opfer des Nationalsozialismus ein. „Sein entschlossener Kampf für mehr Demokratie und Menschlichkeit und gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ist bis heute beispielhaft entschlossen und kämpferisch“, so Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde und ebenfalls Mitglied im Ehrenrat von AMCHA Deutschland.

Der Historiker Fritz Stern, der die Laudatio hielt, dankte Hans-Jochen Vogel: „Sie, lieber Herr Vogel, haben das Schicksal der zweiten deutschen Demokratie entscheidend mitbestimmt. Ihr Leben und Ihre Arbeit bleiben vorbildlich und Sie werden nicht vergessen werden. Wir danken Ihnen.“ In seinen Dankesworten betonte Hans-Jochen Vogel die Stärke der Versöhnung: „Der Wille zum Leben, zur Versöhnung und zum Miteinander ist stärker als Verbrechen, Mord und Tod. Und die Hoffnung vermag die Verzweiflung zu überwinden. Dazu gehört aber auch, das schreckliche Geschehen von damals vor dem Vergessen zu bewahren und die Erinnerung daran an die nachwachsenden Generationen weiterzugeben und nicht wegzuschauen und wegzuhören, wenn der Ungeist von neuem in Erscheinung tritt.“

Wir gratulieren Hans-Jochen Vogel zu dieser würdigen Auszeichnung seiner Verdienste!

Sprechen trotz allem – Zeugen der Shoah erzählen

Das Dokumentationsprojekt „Sprechen trotz allem“ der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Partner von AMCHA Deutschland, wurde am 24. Juli 2014 in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Die 72 Interviews mit Überlebenden sind eindrucksvolle Zeugnisse der Schrecken und Grausamkeiten der Shoah. Einer der Interviewten ist auch Yehuda Bacon, der die Arbeit von AMCHA unterstützt. Bei der Vorstellung des Projektes im Deutschen Historischen Museum sprach er über die Bedeutung des Erinnerns, aber auch über die Ängste und Traumata, die viele Überlebende bis heute zeichnen. Hier setzt AMCHA an: Als wichtigste Organisation zur nicht-materiellen Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen helfen wir jährlich über 16.000 Menschen in Israel.

Hier können Sie die Zeitzeugen-Interviews sehen.

3. Runder Tisch Jüdischer Organisationen in Deutschland

Auf Einladung des Zentralrats der Juden in Deutschland kamen heute in Berlin Vertreterinnen und Vertreter jüdischer Organisationen zusammen, um eine stärkere Vernetzung und aktuelle Anliegen zu diskutieren. Auch AMCHA Deutschland war wieder eingeladen und wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden, Rouven Sperling, vertreten.

 

Hier können Sie einen Bericht der Jüdischen Allgemeine zu dem Treffen lesen.

Asher Ben Natan gestorben

Wir trauern um Asher Ben Natan, den ersten Botschafter Israels in Deutschland, der am 17. Juni 2014 im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv gestorben ist. Der Titel seiner Memoiren steht für sein Lebenswerk, dem wir ein würdiges Andenken bereiten wollen: „Brücken bauen, aber nicht vergessen.“ Seinem Anliegen folgend widmen wir unsere Arbeit seit 25 Jahren den Menschen, die das Fundament dieser Beziehungen bilden: den Überlebenden der Shoah.

Friedrich Christian Flick unterstützt AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro

Der Unternehmer und Kunstsammler Friedrich Christian Flick (69) unterstützt die AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro. Die AMCHA-Stiftung wird damit ihre Arbeit in Israel stärken. Der Spendenbetrag wurde bereits an die AMCHA-Zentrale in Jerusalem weitergeleitet.

In 14 Zentren in Israel werden Holocaust-Opfer von Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern betreut. Derzeit sind es über 16.000 Überlebende sowie deren Nachkommen und Angehörige.

In den vergangenen Jahren war der aus Deutschland stammende Anteil an der Finanzierung der AMCHA-Arbeit kontinuierlich zurückgegangen. Diese Entwicklung, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Matthias Gülzow, sei auch deshalb besonders bedauerlich, da demgegenüber der Bedarf an Hilfe weiterhin „überraschend hoch“ sei. Zudem stiegen die Kosten, weil viele Klienten aufgrund ihres Alters nicht mehr selbstständig in die Zentren kommen könnten.

Dazu Friedrich Christian Flick: „Es sind nur noch wenige Jahre in denen tatsächlich Überlebende des Holocaust diese Unterstützung brauchen und es sollte eine besondere Pflicht sein, diese Arbeit zu unterstützen.“

Die AMCHA-Stiftung dankt Friedrich Christian Flick für seine großzügige Unterstützung.

70 Jahre D-Day 1944

Heute vor 70 Jahren, am D-Day, landeten alliierte Truppen an der Küste der Normandie. Tausende riskierten ihr Leben, um der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und dem Terror, der von Deutschland ausging, ein Ende zu setzen.

Auch Tausende jüdische Soldatinnen und Soldaten kämpften in den Armeen der Alliierten. Auch viele von ihnen suchen heute bei AMCHA Hilfe bei der Bewältigung ihrer Traumata, die Erinnerungen an Gewalt, Terror und Kriegserfahrungen sind.

Verstärkt suchen Menschen, die seit den 1990er Jahren aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion nach Israel emigriert sind, Hilfe bei AMCHA. Vielmals erst hier erfahren diese Menschen, die den Holocaust überlebten oder als Soldatinnen und Soldaten im Zweiten Weltkrieg kämpften, Anteilnahme und Anerkennung ihrer Traumata.

Viele der Emigranten aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion leben in armen Verhältnissen. Um ihnen die Hilfe durch AMCHA zu ermöglichen, sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jede Spende, vor allem aus Deutschland, ist für die Überlebenden ein besonderes Zeichen der Anteilnahme und spendet ihnen Hoffnung.