Neues Spendenkonto ab dem 20.10.2014

Ab Montag den 20. Oktober 2014 hat AMCHA Deutschland e.V. ein neues Spendenkonto:

IBAN: DE90 5206 0410 0003 9113 65
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG

Unsere langjährige Hausbank, die Evangelische Darlehnsgenossenschaft (EDG) hat sich mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK) zur Evangelischen Bank eG zusammengeschlossen. Dadurch verändern sich ab dem 20. Oktober 2014 auch unsere Bankdaten.

Die Bank hat eine Übergangsfrist eingerichtet. Zahlungen an die bisherige Kontonummer bzw. IBAN werden bis zum 31.12.2015 automatisch umgeleitet. Das gilt auch für die Daueraufträge, die Sie eingerichtet haben. Lastschriftmandate, die Sie uns erteilt haben, bleiben davon unberührt. Hier müssen Sie nichts unternehmen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, so können Sie uns sehr gern unter der Telefonnummer 030 – 28 09 80 38 anrufen, oder Sie schreiben uns eine E-Mail an info@amcha.de.

Tief durchatmen. Die Arbeit von AMCHA in gewaltvollen Zeiten

Im Fokus:  Sommer 2014.
 

Rechovot

Rechovot, südlich von Tel Aviv im August: Zirka 60 willensstarken Senioren im Alter von 76 bis 96 trotzen der Gefahr möglicher Raketenangriffe, um an einem Treffen im AMCHA-Zentrum teilzunehmen. Die Hilfsangebote von AMCHA sind für viele der Überlebenden unverzichtbar geworden, besonders in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Tammy Kahanov, Leiterin von AMCHA Rechovot. „Um mit der konstanten Angst während des Krieges umzugehen ist es wichtig, ihnen einen Alltag zu ermöglichen und sie nicht allein zu lassen.“

In einer Selbsterfahrungsübung sollen die Klienten lernen, besser mit der gewaltsamen Situation der vergangenen Wochen umzugehen. „Wir wollten uns weniger auf das sprechen konzentrieren, als darauf, jedem die Möglichkeit zu geben, der Fantasie freien Lauf zu lassen um Stress abzubauen“, erklärt Kahanov. Jedem Teilnehmer des Workshops wurde ein Ballon gegeben. Die Teilnehmenden sollten mit diesem Ballon eine Situation verbinden. Indem sie den Ballon durch tiefe Atemübungen aufbliesen, ihn mit allen Sinnen ertasteten und hin und her warfen, befreiten sie sich emotional und physisch von dem damit verbundenen Gefühl.

„Wegen des Krieges hatte ich keine Kindheit“, erzählt Shmuel der Gruppe. „Im Alter von vier Jahren war ich bereits im Konzentrationslager anstatt in einem Kindergarten. Ich habe nicht gespielt. Aber das Kind in mir habe ich nicht verloren. Ich liebe es zu spielen und meine Phantasie zu beflügeln, die mich in eine Kindheit versetzt, die ich nie hatte. Ich bin dankbar dafür, zu AMCHA kommen zu können. Besonders in dieser Zeit ist es so wichtig für mich hier zu sein, mit den anderen, einfach loslassen zu können und ich selbst zu sein.“

Tel Aviv

Auch Tel Aviv, die Metropole am Mittelmeer, wurde in den letzten Wochen aus dem Gazastreifen angegriffen. „Die Menschen sind müde, ängstlich und gestresst, aber sie sind auch entschlossen, versuchen, ihren Alltag so gut es geht zu gestalten“, erklärt Tali Rasner, Psychologin und Leiterin des AMCHA-Zentrums dort.

Kreativität und körperliche Aktivität haben dabei einen großen therapeutischen Nutzen. Jeden Tag versucht der AMCHA-Sozialclub mit Gruppengesprächen, Keramik-Kursen oder Yoga-Unterricht den Klienten Aktivitäten anzubieten, die ihnen einen Raum der Geborgenheit, für Zuversicht und gegen Einsamkeit, schaffen. „AMCHA ist ihr zweites Zuhause und viele sagen, dass sie nicht noch einmal ihre Heimat verlassen wollen oder sich verstecken möchten, wie sie es im Holocaust erleben mussten,“ so Rasner weiter.
Viele Überlebende aus dem Süden Israel hingegen mussten ihr Zuhause verlassen und sind zu Verwandten in Tel Aviv gezogen. AMCHA hat für sie die Türen geöffnet. „Wenn es Raketenalarm gibt, versammeln wir uns alle im Treppenhaus“, erzählt Rasner. „Für manche von ihnen werden schreckliche Erinnerungen an die Vergangenheit wach.“

Die 90-jährige Halina Ashkenazy Engelhard begann zu weinen, fühlte sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Bilder von israelischen Kindern, die in Bunker kauern mussten, und von palästinensischen Kindern, die starben, konnte sie nicht verarbeiten. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Blut. Kinder müssen in ihren eigenen Betten ohne Angst schlafen können.“

Jede Woche besuchen 180 Freiwillige Klienten von AMCHA in Tel Aviv und Umgebung. Über 2.000 Menschen erhalten dadurch Hilfe, gerade in schwierigen Zeiten. „Das wichtigste für sie ist, dass sie das Gefühl haben, dass es jemanden gibt, der sich um sie kümmert und heute auf sie achtet,“ sagt Yuval Dotan, Sozialarbeiter bei AMCHA. „Die stärkste Erfahrung vieler Überlebender ist, dass sie sich allein gelassen fühlten, dass ihnen niemand geholfen hat. AMCHA ist da, diese Lücke zu füllen.“

Hier können Sie zwei Artikel über die Situation bei AMCHA im Sommer 2014 lesen:

Die Holocaust-Überlebenden mit Fahrradhelmen

Sirenen und Raketen rütteln emotionale Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden wach

Erinnerungen an Noach Flug

Als Überlebender des Holocaust engagierte sich Noach Flug zwischen 1984 und 2011 unermüdlich für die Interessen der Überlebenden der Shoah und für die Verständigung zwischen Israel und Deutschland. Noach Flug starb am 11. August 2011 in Jerusalem. Bettina Schaefer hat in ihrem berührenden Buch „‚Ich bleibe Optimist, trotz allem.‘ Erinnerungen an Noach Flug“ Erinnerungen an den Weggefährten, Freund, Politiker und Familienmenschen Noach Flug, der viele Jahre im Vorstand von AMCHA Israel aktiv war, gesammelt.  Zu den Autoren zählen Dr. Martin Auerbach, klinischer Direktor von AMCHA und Stephan J. Kramer, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der AMCHA-Stiftung Deutschland.

Erschienen im Jetztzeit-Verlag, ISBN 9 783 9 8143894 9, 20 Euro, erhältlich im Buchhandel und als eBook.

 

Zum jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana

Wir wünschen allen Freunden und Förderern von AMCHA ein gesundes und friedliches neues Jahr und danken für Ihre wertvolle Unterstützung!

Wie wichtig diese Hilfe ist, haben die letzten Monate gezeigt, die durch Gewalt und Krieg geprägt waren. Viele der Holocaust-Überlebenden leiden unter Re-Traumatisierungen, sie fühlen mit den von Gewalt betroffenen Menschen in Israel und im Gazastreifen und müssen unter der ständigen Bedrohung von Frieden und Sicherheit leben.

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Marlen Maor

Von links: Marlen Maor, Leiterin von AMCHA Ashkelon, mit Lukas Welz.

Besonders wichtig sei die Arbeit von AMCHA in gewaltvollen Zeiten, hob Lukas Welz, Vorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., während einer Zeremonie zum jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana für Überlebende in Ashkelon hervor. „Darum danke ich der Leiterin von AMCHA Ashkelon, Marlen Maor, und dem ganzen Team für ihre außergewöhnliche Arbeit in den letzten Monaten. Anerkennung und Anteilnahme drückte er gegenüber den Überlebenden aus, die in Ashkelon schwierige Herausforderungen zu bewältigen haben. „Ihnen allen wünsche ich im neuen Jahr 5775 vor allem Gesundheit und Frieden – Shana tova!“

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Shaul Spielmann

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit dem in Wien geborenen Shaul Spielmann.

Seit fünf Jahren arbeitet AMCHA in der südisraelischen Stadt Ashkelon nahe dem Gazastreifen. Seither suchen immer mehr Überlebende Hilfe bei AMCHA. Einer von ihnen ist Shaul Spielmann, der in Wien geboren wurde. Lange Jahre konnte er nicht über seine Erlebnisse in Theresienstadt und Auschwitz sprechen. Die Therapie bei AMCHA hat ihm geholfen, zurück ins soziale Leben zu finden. Erst vor wenigen Wochen besuchte er mit seiner Familie die Orte seines Leidens, eine Reise, die er vor wenigen Jahren noch nicht hätte machen können.

AMCHA Ashkelon, Lukas Welz mit Reuven Reiter

Von links: Lukas Welz mit Reuven Reiter, geboren in Chemnitz, der seit vielen Jahren mit AMCHA verbunden ist.

 

„Mut zum Leben“

Die Städte Celle und Eberswalde engagieren sich seit Jahren auf herausragende Weise für AMCHA und die Überlebenden des Holocaust. In den kommenden Monaten wird in beiden Städten im Rahmen von Benefizveranstaltungen zugunsten von AMCHA der Film „Mut zum Leben“ der Regisseure Christa Spannbauer und Thomas Gonschior zu sehen sein.

Der Film porträtiert vier außergewöhnliche Menschen von beeindruckendem Lebensmut, unzerstörter Hoffnung und tiefer Mitmenschlichkeit. Nie wieder soll ein Mensch erleben müssen, was ihnen widerfahren ist – dafür treten Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai-Fahidi und Greta Klingsberg bis ins hohe Alter ein.

Esther Bejarano, Sängerin, 88, Hamburg:
„Wenn ich das schon überlebt habe, dann muss ich doch wieder anfangen zu leben und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Yehuda Bacon, Maler, 83, Jerusalem:
„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“

Éva Pusztai-Fahidi, Autorin, 87, Budapest:
„In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist die Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie teuer das Leben ist.“

Greta Klingsberg, Sängerin, 83, Jerusalem:
„Überlebt zu haben, ist noch keine Auszeichnung. Es kommt doch darauf an, was man daraus macht.“

Sie erfuhren die Unmenschlichkeit am eigenen Leibe und wurden zu Lehrern der Menschlichkeit. Sie haben Auschwitz überlebt und machen Mut zum Leben.

Am 23. Spetember in Eberswalde und am 9. November in Celle wird jeweils die Regisseurin Christa Spannbauer anwesend sein und ihren besonderen Film vorstellen.

Auf beide Veranstaltungen werden wir auch noch einmal im Einzelnen hinweisen.

Bleibt Hitlers „Mein Kampf“ verboten?

Im kommenden Jahr laufen die Urheberrechte für Hitlers rassistisches Manifest „Mein Kampf“ aus. Das Pamphlet war im Eher Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP, erschienen. Als Organisation der NSDAP wurde auch der Verlag 1945 verboten. Die Rechtsnachfolge trat der Freistaat Bayern an, bei dem seither auch die Rechte an Hitlers Machwerk liegen und der seitdem eine Veröffentlichung in Deutschland untersagt. 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen diese nun aus. Ab dem 1. Januar 2016 stünde es dann – aus rein urheberrechtlicher Sicht – jedem frei, das Buch zu verlegen und die antisemitische Hetze zu Geld zu machen.
Auf Antrag Bayerns diskutierte am vergangenen Donnerstag die Justizministerkonferenz die Frage, wie mit diesem unseligen Werk zukünftig umgegangen werden soll. „Wir sind es den Opfern des Holocausts und ihren Angehörigen schuldig, alles uns Mögliche zu tun, um eine Vervielfältigung und Verbreitung dieser ideologischen Hetzschrift zu verhindern“, so Bayerns Justizminister Winfried Bausback.
Nach derzeitigem Stand werden ab 2016 wohl die Gerichte über ein Verbot entscheiden. Aus dem Bundesjustizministerium heißt es, diese sollten „im Einzelfall prüfen“, ob eine Veröffentlichung den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle oder wissenschaftlichen Mehrwert biete.

„Die Hoffnung mag die Verzweiflung (…) überwinden“

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat Hans-Jochen Vogel, Gründungsmitglied von AMCHA Deutschland e.V. in der Bundesrepublik Deutschland und Mitglied im Ehrenrat mit der Ohel-Jakob-Medaille für sein herausragendes Engagement bei der Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden geehrt. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt München, Bundesminister und SPD-Vorsitzende tritt seit Jahrzehnten für Entschädigungszahlungen an Opfer des Nationalsozialismus ein. „Sein entschlossener Kampf für mehr Demokratie und Menschlichkeit und gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ist bis heute beispielhaft entschlossen und kämpferisch“, so Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde und ebenfalls Mitglied im Ehrenrat von AMCHA Deutschland.

Der Historiker Fritz Stern, der die Laudatio hielt, dankte Hans-Jochen Vogel: „Sie, lieber Herr Vogel, haben das Schicksal der zweiten deutschen Demokratie entscheidend mitbestimmt. Ihr Leben und Ihre Arbeit bleiben vorbildlich und Sie werden nicht vergessen werden. Wir danken Ihnen.“ In seinen Dankesworten betonte Hans-Jochen Vogel die Stärke der Versöhnung: „Der Wille zum Leben, zur Versöhnung und zum Miteinander ist stärker als Verbrechen, Mord und Tod. Und die Hoffnung vermag die Verzweiflung zu überwinden. Dazu gehört aber auch, das schreckliche Geschehen von damals vor dem Vergessen zu bewahren und die Erinnerung daran an die nachwachsenden Generationen weiterzugeben und nicht wegzuschauen und wegzuhören, wenn der Ungeist von neuem in Erscheinung tritt.“

Wir gratulieren Hans-Jochen Vogel zu dieser würdigen Auszeichnung seiner Verdienste!

Sprechen trotz allem – Zeugen der Shoah erzählen

Das Dokumentationsprojekt „Sprechen trotz allem“ der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Partner von AMCHA Deutschland, wurde am 24. Juli 2014 in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Die 72 Interviews mit Überlebenden sind eindrucksvolle Zeugnisse der Schrecken und Grausamkeiten der Shoah. Einer der Interviewten ist auch Yehuda Bacon, der die Arbeit von AMCHA unterstützt. Bei der Vorstellung des Projektes im Deutschen Historischen Museum sprach er über die Bedeutung des Erinnerns, aber auch über die Ängste und Traumata, die viele Überlebende bis heute zeichnen. Hier setzt AMCHA an: Als wichtigste Organisation zur nicht-materiellen Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen helfen wir jährlich über 16.000 Menschen in Israel.

Hier können Sie die Zeitzeugen-Interviews sehen.

Asher Ben Natan gestorben

Wir trauern um Asher Ben Natan, den ersten Botschafter Israels in Deutschland, der am 17. Juni 2014 im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv gestorben ist. Der Titel seiner Memoiren steht für sein Lebenswerk, dem wir ein würdiges Andenken bereiten wollen: „Brücken bauen, aber nicht vergessen.“ Seinem Anliegen folgend widmen wir unsere Arbeit seit 25 Jahren den Menschen, die das Fundament dieser Beziehungen bilden: den Überlebenden der Shoah.

Friedrich Christian Flick unterstützt AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro

Der Unternehmer und Kunstsammler Friedrich Christian Flick (69) unterstützt die AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro. Die AMCHA-Stiftung wird damit ihre Arbeit in Israel stärken. Der Spendenbetrag wurde bereits an die AMCHA-Zentrale in Jerusalem weitergeleitet.

In 14 Zentren in Israel werden Holocaust-Opfer von Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern betreut. Derzeit sind es über 16.000 Überlebende sowie deren Nachkommen und Angehörige.

In den vergangenen Jahren war der aus Deutschland stammende Anteil an der Finanzierung der AMCHA-Arbeit kontinuierlich zurückgegangen. Diese Entwicklung, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Matthias Gülzow, sei auch deshalb besonders bedauerlich, da demgegenüber der Bedarf an Hilfe weiterhin „überraschend hoch“ sei. Zudem stiegen die Kosten, weil viele Klienten aufgrund ihres Alters nicht mehr selbstständig in die Zentren kommen könnten.

Dazu Friedrich Christian Flick: „Es sind nur noch wenige Jahre in denen tatsächlich Überlebende des Holocaust diese Unterstützung brauchen und es sollte eine besondere Pflicht sein, diese Arbeit zu unterstützen.“

Die AMCHA-Stiftung dankt Friedrich Christian Flick für seine großzügige Unterstützung.