Bleibt Hitlers „Mein Kampf“ verboten?

Im kommenden Jahr laufen die Urheberrechte für Hitlers rassistisches Manifest „Mein Kampf“ aus. Das Pamphlet war im Eher Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP, erschienen. Als Organisation der NSDAP wurde auch der Verlag 1945 verboten. Die Rechtsnachfolge trat der Freistaat Bayern an, bei dem seither auch die Rechte an Hitlers Machwerk liegen und der seitdem eine Veröffentlichung in Deutschland untersagt. 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen diese nun aus. Ab dem 1. Januar 2016 stünde es dann – aus rein urheberrechtlicher Sicht – jedem frei, das Buch zu verlegen und die antisemitische Hetze zu Geld zu machen.
Auf Antrag Bayerns diskutierte am vergangenen Donnerstag die Justizministerkonferenz die Frage, wie mit diesem unseligen Werk zukünftig umgegangen werden soll. „Wir sind es den Opfern des Holocausts und ihren Angehörigen schuldig, alles uns Mögliche zu tun, um eine Vervielfältigung und Verbreitung dieser ideologischen Hetzschrift zu verhindern“, so Bayerns Justizminister Winfried Bausback.
Nach derzeitigem Stand werden ab 2016 wohl die Gerichte über ein Verbot entscheiden. Aus dem Bundesjustizministerium heißt es, diese sollten „im Einzelfall prüfen“, ob eine Veröffentlichung den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle oder wissenschaftlichen Mehrwert biete.

„Die Hoffnung mag die Verzweiflung (…) überwinden“

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat Hans-Jochen Vogel, Gründungsmitglied von AMCHA Deutschland e.V. in der Bundesrepublik Deutschland und Mitglied im Ehrenrat mit der Ohel-Jakob-Medaille für sein herausragendes Engagement bei der Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden geehrt. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt München, Bundesminister und SPD-Vorsitzende tritt seit Jahrzehnten für Entschädigungszahlungen an Opfer des Nationalsozialismus ein. „Sein entschlossener Kampf für mehr Demokratie und Menschlichkeit und gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ist bis heute beispielhaft entschlossen und kämpferisch“, so Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde und ebenfalls Mitglied im Ehrenrat von AMCHA Deutschland.

Der Historiker Fritz Stern, der die Laudatio hielt, dankte Hans-Jochen Vogel: „Sie, lieber Herr Vogel, haben das Schicksal der zweiten deutschen Demokratie entscheidend mitbestimmt. Ihr Leben und Ihre Arbeit bleiben vorbildlich und Sie werden nicht vergessen werden. Wir danken Ihnen.“ In seinen Dankesworten betonte Hans-Jochen Vogel die Stärke der Versöhnung: „Der Wille zum Leben, zur Versöhnung und zum Miteinander ist stärker als Verbrechen, Mord und Tod. Und die Hoffnung vermag die Verzweiflung zu überwinden. Dazu gehört aber auch, das schreckliche Geschehen von damals vor dem Vergessen zu bewahren und die Erinnerung daran an die nachwachsenden Generationen weiterzugeben und nicht wegzuschauen und wegzuhören, wenn der Ungeist von neuem in Erscheinung tritt.“

Wir gratulieren Hans-Jochen Vogel zu dieser würdigen Auszeichnung seiner Verdienste!

Sprechen trotz allem – Zeugen der Shoah erzählen

Das Dokumentationsprojekt „Sprechen trotz allem“ der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Partner von AMCHA Deutschland, wurde am 24. Juli 2014 in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert. Die 72 Interviews mit Überlebenden sind eindrucksvolle Zeugnisse der Schrecken und Grausamkeiten der Shoah. Einer der Interviewten ist auch Yehuda Bacon, der die Arbeit von AMCHA unterstützt. Bei der Vorstellung des Projektes im Deutschen Historischen Museum sprach er über die Bedeutung des Erinnerns, aber auch über die Ängste und Traumata, die viele Überlebende bis heute zeichnen. Hier setzt AMCHA an: Als wichtigste Organisation zur nicht-materiellen Hilfe für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen helfen wir jährlich über 16.000 Menschen in Israel.

Hier können Sie die Zeitzeugen-Interviews sehen.

Asher Ben Natan gestorben

Wir trauern um Asher Ben Natan, den ersten Botschafter Israels in Deutschland, der am 17. Juni 2014 im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv gestorben ist. Der Titel seiner Memoiren steht für sein Lebenswerk, dem wir ein würdiges Andenken bereiten wollen: „Brücken bauen, aber nicht vergessen.“ Seinem Anliegen folgend widmen wir unsere Arbeit seit 25 Jahren den Menschen, die das Fundament dieser Beziehungen bilden: den Überlebenden der Shoah.

Friedrich Christian Flick unterstützt AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro

Der Unternehmer und Kunstsammler Friedrich Christian Flick (69) unterstützt die AMCHA-Stiftung mit 50.000 Euro. Die AMCHA-Stiftung wird damit ihre Arbeit in Israel stärken. Der Spendenbetrag wurde bereits an die AMCHA-Zentrale in Jerusalem weitergeleitet.

In 14 Zentren in Israel werden Holocaust-Opfer von Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern betreut. Derzeit sind es über 16.000 Überlebende sowie deren Nachkommen und Angehörige.

In den vergangenen Jahren war der aus Deutschland stammende Anteil an der Finanzierung der AMCHA-Arbeit kontinuierlich zurückgegangen. Diese Entwicklung, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Matthias Gülzow, sei auch deshalb besonders bedauerlich, da demgegenüber der Bedarf an Hilfe weiterhin „überraschend hoch“ sei. Zudem stiegen die Kosten, weil viele Klienten aufgrund ihres Alters nicht mehr selbstständig in die Zentren kommen könnten.

Dazu Friedrich Christian Flick: „Es sind nur noch wenige Jahre in denen tatsächlich Überlebende des Holocaust diese Unterstützung brauchen und es sollte eine besondere Pflicht sein, diese Arbeit zu unterstützen.“

Die AMCHA-Stiftung dankt Friedrich Christian Flick für seine großzügige Unterstützung.

70 Jahre D-Day 1944

Heute vor 70 Jahren, am D-Day, landeten alliierte Truppen an der Küste der Normandie. Tausende riskierten ihr Leben, um der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und dem Terror, der von Deutschland ausging, ein Ende zu setzen.

Auch Tausende jüdische Soldatinnen und Soldaten kämpften in den Armeen der Alliierten. Auch viele von ihnen suchen heute bei AMCHA Hilfe bei der Bewältigung ihrer Traumata, die Erinnerungen an Gewalt, Terror und Kriegserfahrungen sind.

Verstärkt suchen Menschen, die seit den 1990er Jahren aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion nach Israel emigriert sind, Hilfe bei AMCHA. Vielmals erst hier erfahren diese Menschen, die den Holocaust überlebten oder als Soldatinnen und Soldaten im Zweiten Weltkrieg kämpften, Anteilnahme und Anerkennung ihrer Traumata.

Viele der Emigranten aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion leben in armen Verhältnissen. Um ihnen die Hilfe durch AMCHA zu ermöglichen, sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jede Spende, vor allem aus Deutschland, ist für die Überlebenden ein besonderes Zeichen der Anteilnahme und spendet ihnen Hoffnung.

Dr. Peter Fischer zum Ehrenvorsitzenden gewählt

Die Mitgliederversammlung von AMCHA Deutschland e.V. hat Dr. Peter Fischer zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Damit wurde Dr. Fischer für seine langjährigen Verdienste für AMCHA in Deutschland und in Israel geehrt. Er war maßgeblich an der Gründung des Vereins und am Aufbau der Stiftung in Deutschland beteiligt. Bis heute engagiert sich Dr. Fischer in herausragender Weise für die Hilfe von Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen.

Vorstand 2014 – 2016 gewählt

Am 7. Mai 2014 führte der AMCHA Deutschland e.V. seine ordentliche Mitgliederversammlung durch. Die Mitgliederversammlung hat den Jahresabschluss 2013 festgestellt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Turnusgemäß wählten die Mitglieder den Vorstand für die kommenden zwei Jahre, 2014 – 2016. In ihren Ämtern wurden Lukas Welz (Vorsitzender), Rouven Sperling (stellvertretender Vorsitzender), Rainer Waldhauer (Schatzmeister) und Holger Michel bestätigt. Der alte und neue Vorsitzende, Lukas Welz, dankte den anwesenden Mitgliedern im Namen des gesamten Vorstands für das entgegengebrachte Vertrauen. Insbesondere ging sein Dank an Dr. Stefan Neubacher und Guy Band, die nach zwei Jahren nun aus dem Vorstand ausgeschieden sind, an die Kassenprüferinnen Dr. Gisa Spieler und Karla Wieland, an Suzanne L. Kossack für den Versand der Dankesbriefe sowie an Christian Krause für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Leitung der Geschäftsstelle.

„A Never Ending Story. Erinnerung und Trauma in der 3. Generation“ – Tagung des ZdJ in Berlin

Zahlreiche Studien weisen nach, dass die traumatischen Erfahrungen der Überlebenden der Shoah deutliche Spuren in der Lebens- und Gefühlswelt nachfolgender Generationen hinterlassen. Nachdem sich Angehörige der Dritten Generation nunmehr verstärkt literarisch und filmisch zu Wort melden und auf sich aufmerksam machen, möchten wir auf der Tagung die Auswirkungen der transgenerativen Erfahrungen vorstellen, analysieren und reflektieren. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen werden anhand der Darstellung unterschiedlicher biographischer Narrative von Angehörigen der Dritten Generation Einblicke in die psychische Verarbeitung der familiären Geschichten eröffnet. Die Tagung selbst wird den Teilnehmenden genügend Raum dafür bieten, die eigenen emotionalen Zugänge zu der Thematik zu erschließen.

Israelischer Shoah-Gedenktag bei AMCHA Tel Aviv

Am 28. April 2014 wurde in Israel der Opfer der Shoah gedacht. Auch bei AMCHA fanden Gedenkzeremonien statt. AMCHA Tel Aviv lud im Anschluss an die Zeremonie zum Dialog der Generationen ein. Die Fotografin Helena Schätzle hatte die Gelegenheit, dies fotografisch zu dokumentieren.