Eröffnung der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ im Auswärtigen Amt

Ansprache von Lukas Welz, Vorstandsvorsitzender von AMCHA Deutschland e.V., anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Leben nach dem Überleben“ von AMCHA Deutschland am 28. Januar 2016 im Auswärtigen Amt in Berlin:
„Es ist der 28. Januar. Es war der erste Tag in Freiheit für die wenigen Überlebenden von Auschwitz und der befreiten Außenlager. Viele weitere dieser Tage folgten, wenn die Rote Armee oder die westlichen Streitkräfte Überlebende befreiten: aus Konzentrationslagern, aus ihren Verstecken, aus Zwangsarbeit und Foltergefängnissen.

„Die SS sagte uns, dass wir frei seien. Wir könnten gehen, wohin wir wollten, und dürften tun, was wir wollten. Aber es gab keinen Ort, wo wir hätten hingehen können,“ resümiert die Überlebende von Auschwitz Giselle Cycowicz. „Nach außen war ich frei, doch innerlich, in meiner Seele, fühlte ich mich wirklich befreit?“ fragt der Überlebende Zwi Steinitz, der das Ghetto Krakau, die KZ Plaszow, Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen überlebte. Beide sind mit der Organisation AMCHA verbunden. 1987 von Überlebenden gegründet, leistet sie Hilfe für Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel.

Das dies eine Gegenwartsaufgabe ist, wie kaum zuvor, zeigt die große Zahl an Menschen, denen AMCHA jährlich hilft: 2015 wurde knapp 20.000 Menschen in Psychotherapien und sozialen Aktivitäten dabei geholfen, die schmerzvollen Folgen der Verfolgung zu mindern und das Leben nach dem Überleben würdig zu gestalten. Das sind mehr als doppelt so viele, wie noch vor 10 Jahren und nochmals 10% mehr als 2014. Die Brisanz dieses humanitären Anliegens ist wenig bekannt, das Verständnis für die Gegenwärtigkeit der Folgen der Verfolgung und der Traumata auch mehr als 70 Jahre später oft gering.

Vor drei Jahren hatte ich mit Helena Schätzle die Idee besprochen, durch eine Bildsprache die Herausforderungen, vor denen Überlebende und ihre Familien bis heute stehen, deutlich zu machen. Ich bin überwältigt von dem großartigen Ergebnis! Und ich bin dankbar, für die Zusammenarbeit. Ich danke Helena für ihre Offenheit und Wärme in der Zusammenarbeit mit den Porträtierten, die erst diese intimen Einblicke ermöglicht haben. Ich danke den Porträtierten, dass sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben!

Vielen weiteren ist zu danken: Dem Auswärtigen Amt und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) für die großzügige finanzielle und logistische Unterstützung, insbesondere Botschafter Dr. Felix Klein, Frau Nikola Gillhoff, Frau Katrin Frühinsfeld, Herrn Jens Buschmann vom Auswärtigen Amt sowie Dr. Michael Jansen und Anja Kräutler von der Stiftung EVZ; den Ausstellungsgestaltern von chezweitz Berlin, allen voran Detlef Weitz, Dr. Sonja Beeck, Julia Volkmar und Johannes Bögle; der Kuss Medienproduktion und Tommy Brix für die Ausstellungsrealisierung und Druck; den Übersetzerinnen und Übersetzern Prof. Dafna Mach, Doron Oberhand und Jenny Piening; den Lektorinnen und Lektoren Charlotte Bensch, Cassandra Ellerbe-Dueck und Adina Stern.

Ich möchte Sie herzlich einladen, die Bilder und Zitate auf sich wirken zu lassen und die Menschen in ihrer Individualität kennen zu lernen. Lernen wir aus ihren Geschichten, auch, wie wir denjenigen begegnen, die heute durch Verfolgung und Leid traumatisiert werden.“